Mein letzter Blogeintrag ist EWIGKEITEN her. Die Tage vergehen schnell und zurzeit tut sich auf vielen Ebenen etwas.
Im Internet hab ich ein tolles Artist-in-Residency-Programm in Taiwan gefunden und bin gleich mal mit Google-Earth “hingereist”. Unglaublich schön und aufgeräumt schauen die Fotos aus und in WIKI fand ich dann noch einen Artikel, der mich schmunzeln ließ, weil er mir so aus dem Herzen sprach. Der Artikel ging über die Betelnuss-Mädchen.
Das sind meistens Schulabbrecherinnen, die in leichter und erotischer Kleidung Kaffee, Zigaretten und Betelnüsse verkaufen. Die Haltung der taiwanesischen FeministInnen: sie befürworten diese Art des Verkaufens. “Dies wird damit begründet, dass internationale Supermodels, Popstars und Ausstellungsmodels sich nicht weniger provokativ kleiden, aber deren Tätigkeiten durchaus von der Gesellschaft akzeptiert werden. Aus der Sicht dieser Gruppen handle die Politik mit Regulierungen heuchlerisch und diskriminierend.” Jawohl! Was hier so deutlich wird, ist das zweierlei Maß. Das eine ist gut, das andere schlecht und ist doch das selbe. Nur verdient ein Betelnuss-Mächen halt keine Millionen, springt mit Popstars ins Bett und darf bei Gottschalk ein bisschen aus ihrem Leben erzählen.
Die 360° SFU waren für mich ebenso eine freudige Erhellung. Sie stammen aus einem Artikel von Simon Levin. Den wichtigsten Punkt hier kurz zusammengefasst:
“In a hotel room one night preparing to give a slide lecture, I decided to graph my pottery career. On first glance, it looks as though my career has been one of steady decline, but let me explain. I needed a unit of measurement to plot. I thought back to my early pots – the ones that were trying to be novel for the sake of originality – and how much those pots sucked. It seemed natural to graph the amount my pots have sucked over time. Hence, the birth of the Suck Factor Unit or SFU.
The next decision was to set the parameters of the suck factor, how much, or how little, can a pot actually suck? It occurred to me that a pot can suck all the way around; therefore the maximum is 360°.” (in http://ceramicartsdaily.org/daily/kick-your-work-up-a-notch-announcing-the-c-master-class/)
Levin betrachtet und bewertet seine eigenen Arbeiten und das ist das Bemerkenswerte. Wie oft schauen wir wirklich, wie gut/schlecht uns etwas gelungen ist? Das richtige Hinsehen ist gar nicht so leicht. Wie sieht es denn aus mit der Lieblingskaffeetasse? Warum mögen wir dieses Ding lieber als die anderen Tassen? Welche Qualitäten uns bewegen ist uns oft gar nicht bewusst. Ich bin z.B. draufgekommen, dass ich eine bestimmte Materialstärke mag. Es ist zwar edel und bewundernswert, wenn man gaaaanz dünne Porzellangefäße drehen kann, für mich fühlen sie sich zerbrechlich an und sie leiten Wärme schneller nach Außen. Ich mag die Häferl mit eher dickerem Rand, die die Wärme nur langsam durch lassen und eine gewissen Robustheit versprechen.
