Archive for December, 2008

Jingle Bells…. (trallalalalaaaaa)

das leben und andere abenteuer
Dec 23 2008

Also Weihnachten kommt und damit der alljährliche Familienmarathon. Irgendwie stresst mich das, weil Teile meiner Verwandtschaft sehr „competitive“ sind. Jedes Kilo dass man zu- oder abgenommen hat wird kommentiert, die verschiedenen Karrierewege diskutiert, Tipps für Faltenfreiheit und Alterstrotz ausgetauscht und zu guter Letzt gibt es noch den Teil der angeheirateten (eigentlich gar nicht) Verwandtschaft, der immer gute Ratschläge parat hat, obwohl es gar kein Problem gibt.

Und dann gibt es noch Erich’s Verwandtschaft.. Hui, das macht mich ein bisserl nervös, weil ich doch möchte, dass sie mich mögen….

Naja, wer keinen Stress hat, macht ihn sich eben selbst, und wenn es eine sportliche Disziplin wäre, ich könnt mich glatt für die Olympischen Spiele qualifizieren.

Zur Belohnung geht’s dann nach Sperlonga zum Klettern. Wir fliegen nach Neapel und dann geht’s mit dem Mietwagen weiter. Auf Neapel freu ich mich schon, weil ich noch nie so weit unten war, in Italien. Ich hoff nur, das Wetter spielt mit.

Aber zuerst noch wird gefeiert!!

Ich wünsche also allen lieben Blog-Leserinnen und Blog-Lesern wunderbare und stressfreie Weihnachten, einen guten Rutsch und alles nur erdenkliche Gute im neuen Jahr.

Experimente für Wegmenschen….

das leben und andere abenteuer, kunst
Dec 17 2008

Zurzeit beschäftige ich mich mit Glasuren. Glasurtechnik ist eine Vorlesung an unserer Uni, die immer Freitag Vormittag stattfindet. Da hab ich leider nie Zeit. Daher sitze ich jetzt zuhause und lese und versuche mir die wichtigsten Dinge selbst beizubringen. Und irgendwie ist das sowieso eher mein Weg. Ich brauche immer einen persönlichen Zugang zu einem Thema.

Dieses Mal ist mein persönlicher Zugang der über meine Diplomarbeit. Ich möchte Gefäße erschaffen, die eine besondere Wirkung haben. Dazu gehört nicht nur die Form sondern auch die Oberfläche. Dabei bin ich schon auf ein paar sehr interessante Glasuren gestoßen, die es jetzt gilt nach zu machen. Nur das ist nicht so leicht. So viele Faktoren beeinflussen das Ergebnis. Zunächst einmal der Ton selbst, die Rohstoffe (sind ja auch nicht immer gleicher Qualität), ob reduzierend oder oxidierend gebrannt wird, welchen Ofen man hat (Gas, Holz, Elektro, Öl, Anagama,…), wie groß der Ofen ist, wie dick die Glasur aufgetragen wird, wo im Ofen das Objekt steht, welches Wetter ist (ja wirklich!)… und so weiter und so fort.

Beim Lesen der Fachliteratur denk ich mir oft, ob man überhaupt je wirklich bestimmen kann, was raus kommt, oder muss man sich mit Annäherungen und Wahrscheinlichkeiten zufrieden geben. Eine einfache Feldspatglasur mit 5% Kobaldoxid wird blau… meistens, und je nach dem mal heller mal dünkler… mal mit einem leichten Einschlag ins Grüne, mal mit einem Hauch Rosa.

Jetzt gibt es ja verschiede Menschentypen. Die Turm- und die Wegmenschen. Die Turmmenschen brauchen eine Plan nach dem sie vorgehen können und der ihr Ziel schon enthält. Sie wollen rational vorgehen und mögen keine Überraschungen. Die Wegmenschen marschieren los und entscheiden an jeder Kreuzung in welche Richtung sie weiter gehen wollen.

An der Uni hab ich Glasurtechnik als Steckenpferd der Turmmenschen kennen gelernt. Dann stolperte ich über Ascheglasuren. Sie sind extrem unberechenbar, weil man ja nie wirklich genau wissen kann, was in der Asche so alles drinnen ist. (Ja selbst „reine Buchenasche“ ist noch keine sichere Angabe, denn je nach Beschaffenheit des Bodens und des Klimas, wo die Buche stand, wird sich die Glasur verändern) Ascheglasuren ist etwas für Wegmenschen und da war er plötzlich, mein persönlicher Zugang zum Thema Glasuren.

Reine Nervensache

Sturzangst, klettern
Dec 15 2008

Ich weiß nicht, zurzeit gehen mir viele Dinge durch den Kopf und mir ist gar nicht so nach lustig und Weihnachtszeit zu mute.

Ich bin ziemlich ausgebrannt und frustriert, weil alle meine Projekte so langsam voran gehen. Die Uni, die Therapieausbildung, meine Suche nach einem neuen Betätigungsfeld…

Mit Erich hab ich letztens ausgerechnet, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ich zu den 0,01% KünstlerInnen zähle, die berühmt und reich werden, immer noch höher ist, als die Wahrscheinlichkeit einen Lottosechser mit nennenswertem Gewinn zu machen. Das heißt es liegt an mir, die Kohle heran zu schaffen… das ist blöd!

Dass es nicht hell werden will, schafft mich ebenfalls. Das Gute daran ist, dass ich jetzt weiß, dass Länder wie Schweden, Finnland, Norwegen als Ziel für Artist in Residency-Programme nicht in Frage kommen. Da dreh ich durch, ohne Sonnenlicht… Da es am Äquator aber auch schnell dunkel wird, bleibt mir nur das Pendeln zwischen down under und Österreich im Sommer.. ist je eh schön hier (vorausgesetzt das Thermometer klettert über die 20 Grad Grenze).

Dafür hatte ich wieder mal eine super Erkenntnis beim Klettern:

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A compass that doesn’t point north…

das leben und andere abenteuer
Dec 10 2008

Commodore James Norrington dachte, dass der Kompass von Captain Jack Sparrow keinen Pfifferling wert wäre, da er nicht nach Norden zeigt, wie jeder Kompass es tun sollte.

Nun, wer Piraten der Karibik (Teil 1) gesehen hat, weiß, dass der Kompass dorthin zeigt, wohin das Herz einen zieht. Dabei fordert der Kompass absolute Ehrlichkeit. Wer sich zwischen zwei Optionen nicht entscheiden kann, für den hat auch der Kompass keinen Rat. Nun der Herzenswunsch für Jack Sparrow war es auf die Isla de Muerta zu kommen um den Piratenschatz zu heben.

Wieso ich auf diesen Kompass komme?

Nun wenn Norden für das steht, was gesellschaftlich erwartet wird, dann würde man sagen, der Kompass ist kaputt. Etwas, das rein nach dem Herzen geht, ist kaputt!?

Wenn ich aber nun mal nur so einen Kompass besäße und keinen anderen, wohin würde er mich leiten?

Weihnachten, eigentlich das Julfest, das das Ende der langen Nächte und damit das Ende des Jahres und die Rückkehr des Lichts, den Neubeginn, feiert, ist ein guter Zeitpunkt für eine Bilanz. Ein sehr produktives, lehrreiches und turbulentes Jahr geht zu Ende. Gegen November hin hab ich begonnen abzuwägen und auszumisten. Müde von der eigenen Raunzerei und Jammerei habe ich beschlossen, Nägel mit Köpfen zu machen. Und 2009 werde ich damit weiter machen. Ich werde weiter ausmisten und mich konzentrieren, die Dinge, die mich beleben vorantreiben und alte, abgestorbene „Äste“ abschneiden. Ich glaube, wenn ich so etwas wie einen Weihnachtsvorsatz habe, dann ist es folgender, mehr auf meinen Bauch zu hören. Mein Instinkt wird mich schon leiten.

Mir fällt nämlich auf, dass nicht nur ich Angst vor Veränderungen in MEINEM Leben habe, sondern auch meine Familie. Ständig werde ich gewarnt, zur Vorsicht gemahnt, ich würde auch nicht jünger werden und solle an die Zukunft denken. Vorsicht, Vorsorge, ein Gemeindejob, Pragmatisierung, Pensionierung, Tod… Ein Kompass, der sicher immer nach Norden zeigt.

Und so sehr ich dem kopfmäßig zustimmen kann, so sehr sträubt sich mein Inneres. Dem einzigen, dem ich uneingeschränkt zustimme ist, dass ich an meine Zukunft denken soll. Das tue ich, indem ich Entscheidungen treffe und meinem Herz folge.

Über Hasen und Tiger

das leben und andere abenteuer, mad and bad
Dec 01 2008

 

 

Ich erinnere mich an meine erste Studienzeit. Damals hatte ich einen kleinen Nebenjob. Ich half einer Freundin beim Catering. Sie organisierte Buffets für verschiedene Veranstaltungen und ich half aus wenn es ums Schleppen ging… war ok, damals…

 

In den Pausen berichtete sie von ihren Erfahrungen und meinte, wenn sie eine reine Männergesellschaft zu bewirten hätte, dann könne sie sich das ganze Grünzeugs sparen. Männer knabbern nicht an Selleriestangen oder nett gestutzten Karöttchen. Sie fallen über die Wurst- und Fleischplatte her. Und statt frisch gepresst haben sie lieber frisch gezapft… Männer sind also Tiger, Karnivoren. 

 

Grund genug mal über meine eigenen Ernährungsgewohnheiten und über das nach zu denken, was sich geziemt als Frau, denn – nur um ein Beispiel zu nennen – bei meinem Haupt-Döner-Lieferanten stellten sich unlängst beide Ohren auf, als er mich fragte, „Döner mit allem?“ und ich sagte „Nein, ich möchte das Fleisch nur mit Fleisch und das ganz scharf!“

 

Was geziemt sich also? Darf man als Bohnenstange nur mehr an Bohnenstangen knabbern und ist eine Frau mit Fleischeslust gleich ein bisserl „Dings“? Und wie sieht es aus, wenn frau vor einem voll beladenen Teller sitzt, sich ein zweites Mal vom Buffet holt und dann zur Krönung noch zwei Stück Sachertorte verdrückt? Sorgenvolle Blicke – wird sie ihre Figur halten können (das arme „Häschen“, sie wird schon sehen, wohin das führt)?

 

Nun Respekt allen Vegetariern, solange sie es aus Überzeugung tun und Geschmack am Grünzeug finden. (Ich mag ihn ja auch, den Salat, und Kakis und Kirschen und Melonen, auch wenn ich das ganze Obstzeug nicht vertrage.) Ich bin wohl eher ein Sekundär-Vegetarier und mag das Gemüse lieber, wenn es veredelt in Form eines Steaks auf meinem Teller landet….  Interessant finde ich allerdings, dass es Männer- und Frauenessgewohnheiten gibt und dass man/frau verstören kann, wenn man sich daran nicht hält..

Die Unwiederbringlichkeit des Augenblicks

kunst
Dec 01 2008

Letzten Freitag waren wir – die StudentInnen aus dem Metallgussstudio der Angewandten – in einer Gießerei um unsere Skulpturen gießen zu lassen. Der Ofen der Uni ist leider seit 1,5 Jahren kaputt und wird auch nicht mehr ersetzt. Der Niedergang des Metallguss-Studios hat begonnen und findet seinen Abschluss in drei Jahren, wenn der Prof. emeritiert und nicht mehr nach besetzt wird. Dem Metallgussstudio steht ein ähnliches Schicksal bevor wie der klassischen Bildhauerei bei der Gerda Fassl. Glasdesign, Schmuckdesign sind schon längst abgeschafft und die Keramik sperrt nächstes Jahr zu. Damit sind – bis auf die Modeklasse – alle Kernfächer der Wiener Werkstätten, die doch ihren Grundstein an der Angewandten legten – abgeschafft.

Hmmm…. Ich glaube, eine Trauerminute ist da angebracht.

Doch eigentlich will ich über das Feuer schreiben. Nachdem wir 1,5 Jahre darauf warten mussten, dass wir unsere Skulpturen in Bronze gießen können, kam dann endlich der Moment. Ich hab einen kleinen Film dazu gedreht, der den wichtigsten Schritt dokumentiert.

Die 1200°C heiße Bronze wird aus dem Ofen gehoben und in die Formen gegossen. Das ist sehr spektakulär und gefährlich. Ab dem Moment, wo der Ofendeckel zur Seite geschoben wurde, herrschte hohe Konzentration und Anspannung. Das Feuer im Ofen brüllte uns an, wie wenn jemand das Tor zur Unterwelt geöffnet hätte. Langsam hoben die zwei Metallgießer den Behälter mit dem flüssigen Metall aus dem Ofen, fixierten ihn und führten ihn zu den Gussformen. Wir starrten alle gebannt auf die rote Glut, die den Hintergrund der Halle noch dunkler erscheinen ließ. Alle hielten den Atem an.

Was macht diese An-/Spannung aus? Lag es an der Gefährlichkeit des Hantierens mit flüssigem Metall? Oder lag es an der Unwiederbringlichkeit des Augenblicks. Man hat nur eine Chance, wenn die Form bricht, das Metall verschüttet wird, ist es vorbei… man beginnt wieder am Anfang, am Erstellen eines Wachsmodells…

Bildhauerei ist – im Gegensatz zum plastischen Gestalten – ein Wegnehmen von Material. Einen Stein, den man behaut, nimmt man solange Material weg, bis die Form hervor tritt. Nimmt man zuviel, ist sie kaputt. Der Spielraum ist sehr klein und man muss mit Bedacht und mit der nötigen Langsamkeit an das Objekt heran gehen. Vielleicht ist das keine zeitgemäße Art mehr, die Dinge langsam angehen zu lassen und nur soviel zu nehmen wie nötig, ohne den Gegenstand zu ruinieren.

Mit einem Künstlerkollegen, einem Fotografen, plauderte ich und er meinte, er liebe die Objektfotografie, weil er sich in der nötigen Langsamkeit der Aufgabe widme können.

Vielleicht wird Langsamkeit ein neues Luxusgut und die Schnelligkeit der modernen zeitgenössischen Kunst hat mit den One-minute-Skulptures von Wurm ihren Zenit überschritten……..