Archive for November, 2008

ein eigenartiger Tag

klettern
Nov 17 2008

 

So! Heute ist wohl der Tag der Niederlagen. Erst die Absage von Korea. Unter den vielen tausend Einsendungen und den 600, die genommen wurden, waren es nicht meine Salz- und Pfefferstreuer, die auf die Biennale reisen. Schade. Ich hätte gerne einen Grund gehabt, mir Korea anzusehen. So rutscht es halt in meiner Reise-To-Do-Liste wieder ein Stückerl hinunter.

Die zweite Niederlage trifft mich da schon ein bisserl härter: Seit Wochen freue ich mich darauf, euch mein Alter Ego vorzustellen, nur um heute zu erfahren, dass mein zweites Ich ein Rohrkrepierer geworden ist.  Ja, ja, im Dunklen und Geheimen, hat die Kunstschlampe an einer zweiten Identität gebastelt. Als rockbitch wollt ich euch in Zukunft im Climax-Magazin erfreuen. War wohl nix. Die alte rockbitch bleibt auf ihrem Thron und ich werde weiter als Kunstschlampe über dies und das dahin philosophieren.

Egal, den Artikel, den ich dazu geschrieben habe, könnte ihr unten unter “read the rest of this entry….” lesen. Er ist echt lang und heißt “Rockbitch’s Sexurlaub”:

Read the rest of this entry »

Who is the king/In??

klettern, kunst
Nov 17 2008

 

Also wer hat hier eigentlich das Sagen, wer herrscht? Ist es der Geist über der Materie oder herrscht doch die Materie über den Geist? Und wenn Zweiteres der Fall ist, sind wir dann rein materiell denkend? Was bedeutet das eigentlich?(Und wieso frag ich mich das eigentlich? )

 

Mach dir die Welt Untertan!  Ist ja so ein katholischer Grundsatz und eine wichtige Zutat für den Kleister, der unsere Gesellschaft zusammen hält. Unsere Kultur beruht zum größten Teil darauf, dass wir glauben, wenn wir nur wirklich wollen, dann geht alles. Dann können wir fliegen, dann können wir unter Wasser atmen, dann können wir Elefanten bändigen und Steine schmelzen lassen. Das heißt, unser Geist besiegt die Materie und beschert uns kulturelles Wachstum.

 

Wir beherrschen die Natur.

 

Im Osten geht man da ja ein bisserl anders dran. Hier geht es mehr um die Selbst-Beherrschung. Um die Beherrschung des Geistes und des Körpers. Und es ist erfrischend, sich mal weniger um das Haben zu kümmern als um das Sein  – ein sehr wichtige Aspekt ist dabei das Loslassen, das Leer werden, das Immaterielle.

 

In der östlichen Keramik werden jene Stücke geschätzt, die nicht symmetrisch, nicht perfekt sind, die dennoch ein sinnliches Erlebnis darstellen, sie werden begriffen, nicht nur beschaut und während die Hand über die rauhen Oberflächen der Teegefäße streicht, kann sich der Geist sammeln.

 

Vielleicht findet Klettern in den letzten Jahren deshalb auch so großen Zuspruch. (Wenn man mal von den Kletterern absieht, die auch nur haben wollen und nur ihre Punkte zählen und die nur zählen, wenn sie Punkte machen und sonst mit den sinnlichen Freuden des In-der-Wand-seins nicht viel am Hut haben). Auch da geht es um die Konzentration, das Loslassen aller störender Gedanken, das sinnliche Ertasten der kleinen Leisten, Vorsprünge, Löcher, einfach – aber eigentlich ganz und gar nicht – um die Beherrschung des Körpers und des Geistes.

 

Ergo ist Klettern Zen für uns West-Industrialisten und das brauchen gar nicht so wenige, wenn man mal die Über-Füllung der Hallen betrachtet. 

Ein Koan..

kunst
Nov 11 2008

Der Schüler fragt den Lehrer: „Wie kommt es, dass du die Dinge so klar siehst?“

Er antwortete: „Ich schließe die Augen“

 

Zurzeit beschäftige ich mich viel mit japanischer Ästhetik und Zen. Die Schlichtheit der Keramiken und die Kraft, die in ihnen liegt, sind berührend. Faszinierend finde ich, dass hohe Ästhetik jenen Gegenständen zugesprochen werden, die wahre und tiefe Gefühle erzeugen. Die Kunst ist Trägerin spiritueller Ideen und niemals nach Perfektion aus, denn die Welt, die ja selbst nicht perfekt ist, wird nicht idealisiert. Ästhetik, Kunst und Alltag sind eins.

 

Gestern las ich an einer Litfass-Säule: Wer möchte, dass etwas bestand hat, trachte nach Schönheit nicht nach Effizienz. Leider konnte ich nicht erkennen, von wem das Zitat ist.

 

Ästhetik bleibt nicht auf die Kunst beschränkt. Es gilt für alle Lebensbereiche: Egal wie gut man etwas kann, ob Musizieren, Klettern, Zeichnen, wenn man es mit einer gewissen Hingabe macht, ist das schon sehr viel.

 

Schönheit ist nicht ein Urteil des Auges sondern des Herzens.  

Eine starke Lektion..

das leben und andere abenteuer, kunst
Nov 09 2008

 

Letztes Semester hab ich eine Plastik aus schwarzem Ton gemacht.  Der Ton wird umso dunkler (von dunklem schwarzbraun bis zu tiefschwarz) je heißer man ihn brennt. Also beschloss ich ihn bei der höchstmöglichen Temperatur – bei 1200 ° Celsius  – zu brennen.

Leider wusste der Ton nichts von seiner maximalen Belastbarkeit und kochte auf. Die aufgekochte Masse erstarrte beim Abkühlen und das Ergebnis sah ziemlich gruselig aus. Das Stück war über und über von großen schwarzen Blasen und Warzen übersäht. Ich hab’s dann den ganzen Sommer herum liegen lassen.

 

Vor ein paar Tagen fragte mich dann mein Studienkollege, Gerald, ob ich kaputte Keramik hätte, weil er ein Projekt hat und dazu Scherben braucht. 

 

Die Plastik hatte ich schon vergessen, bis sie gestern plötzlich wieder aus den Tiefen des Kellers auftauchte  (weil Anton den Brennraum ausgemistet hat).  Da ich für diese kaputte Form keine Verwendung hatte gab ich sie Gerald. Er schaute sie an und fragte mich, was wohl in den Blasen drinnen sei, ob das schaumartig ist oder glatt, und er meinte, dass er gar nicht erwarten kann, heraus zu finden, was sich da drinnen verbirgt….

 

Und da fiel mir auf, dass ich vor lauter Stress aufgehört habe, neugierig zu sein, ich hab aufgehört hinter die Dinge zu schauen.

 

Gerald hat mir gestern mit einer einzigen Frage vieles gezeigt. 

  •  zu glauben, man weiß, ist eine sehr große Barriere zu wahrer Erkenntnis 
  •  jeder Fehler – anders betrachtet – birgt viele Informationen, die vielleicht anfangs nutzlos erscheinen, dann aber wieder als Inspirationen an anderer Stelle Sinn machen
  • auch wenn etwas -  nach westlicher Beurteilung – hässlich ist, ist es dennoch wert, genauere betrachtet zu werden.

Gefäße

das leben und andere abenteuer, klettern
Nov 06 2008

Viele Puzzlesteine fügen sich zusammen und in letzter Zeit merke ich immer wieder, dass es keine so gute Idee ist, mehrere Puzzle gleichzeitig zu legen und die Steine dafür alle in EINE Schachtel zu werfen. Ich will einfach zu viel zur gleichen Zeit. Daher hab ich jetzt begonnen, die Steinchen zu sortieren.

Passend dazu ergibt sich mein Diplomarbeitsthema. Ich werde mich mit dem Thema „Gefäß“ beschäftigen, metaphorisch und auch ganz real.

Das Gefäß als Metapher spielt eine bedeutende Rolle im Verständnis der Innen/Außen-Beziehungen. Die Gefäßwände teilen nicht nur den Raum, sie schaffen ihn überhaupt erst. Sie bilden eine Grenze zwischen Innen und Außen. Diese Grenze kann physisch angegriffen werden und bei langem Gebrauch zeigen sich Spuren dieser Angriffe.

Während Gefäßwände trennen, hat die Gefäßöffnung eine ganz andere Funktion. Sie ist der Ort der Entscheidung, des Austausches. Der umschlossene Raum kann sich entleeren oder er kann gefüllt werden.

Kann er sich auch von selbst füllen??!!

Ein solches Gefäß, das sich immer wieder füllt, ist der heilige Gral. Ihn zu finden, gelingt nur demjenigen, der reinen Herzens ist. Er wird mit Glückseligkeit, ewiger Jugend und Speisen in unendlicher Fülle belohnt. Die westliche Welt verspricht sich von Fülle Glückseligkeit.

Aber es gibt auch andere Konzepte: Im Osten, zum Beispiel, erlebt man die Leere als beglückend. Und – mal einen kleinen Abstecher ins Fach „Klettern“ nehmend – eine oft erwähnte, schöne Begleiterscheinung ist die Konzentration. Das Fokussiert sein auf die nächsten Züge, die nächsten Moves. Kein Multitasking, keine Fülle, nur die Wand und ich (und meine Sicherungsperson).

Ich hab zurzeit eine sehr große Sehnsucht nach Konzentration. Nur eine Sache zu einer Zeit, auch wenn es heißt, von vielen Dingen Abschied nehmen, die ich zwar mag, aber nicht liebe, die mein Ego nähren, aber nicht mein Selbst. Ich glaube, was ich verlernt habe, ist die Fähigkeit zu verzichten. Lieber weniges mit Tiefe als viel mit halben Herzen….

Eins, zwei, drei…

mad and bad
Nov 03 2008

Also wenn etwas einmal passiert, nennt man das glaub ich „Zufall“. Beim zweiten Mal „Pech“ und beim dritten Mal „Schicksal“?!

Na ja, demnach wäre ich heute Nacht zu einem Mann mutiert. Erst hat mich meine vielgehasste Digitalwaage nicht erkannt. Sie behauptete steif und fest, dass ich ein 30jähriger Mann mit 1,80m Körpergröße bin. Mehrmaliges auf die Knöpfe drücken konnte sie nicht umstimmen (cool war daran nur, dass sie meinte, ich hätte 17% Körperfett) … Soweit… wir leben ja erst zwei Jahre zusammen in meiner Wohnung und wahrscheinlich wird man irgendwann verrückt, wenn man immer nur auf weiße Badezimmerfliesen starren muss.

Dann öffnete ich seit langem wieder mal meinen gmx-account. Dort schreibt eine Alena Gruben, dass sie mein Profil auf Websingels gesehen hätte (??) und sich so sehr einen guten und lieben Mann wünscht. Naja… kleine Verwechslung.. könnte man denken, wenn mich nicht ihre „Schwester“, die Angjelika Gruben angeschrieben hätte, um mit mir eine Familie mit Kindern zu gründen.

Hmmm.. alle merken’s nur ich nicht! Ich bin ein Mann! Ab jetzt heiße ich Nino, der Kunstlude und schreib nur mehr markige Macho-Sachen, kratz mich zwischen den Beinen so oft es nur geht und verbringe mein Wochenende mit den Jungs beim Klettern (hoppla!) .