Archive for September, 2008

Rucksack packen…

das leben und andere abenteuer
Sep 23 2008

Ich hatte gestern eine kleine Diskussion mit zwei meiner KlientInnen. Anlass war, die Aussage von Frau A. Frau A hat einen netten Mann kennen gelernt, mit dem sie gerne plaudert. Wissend um ihr „gutes“ Händchen in Liebesdingen, hat sie für sich beschlossen, obwohl sie die Plaudereien genießt, diesen Mann nicht wieder zu sehen, weil es könnte ja so enden, wie so viele Male zuvor. Lieber keine Erfahrung machen, als eine schlechte.

Ich fragte Frau A. ob sie diese großen Tramper-Rucksäcke kenne. Die, die so hoch sind, dass sie bis über den Kopf reichen, denn ich hab das Gefühl, sie trägt den Rucksack voll vergangener Erfahrungen statt auf dem Rücken vorne und er versperre ihr die Sicht. Hier mischte sich dann Herr A. ein. Er meinte, sie solle überhaupt den Rucksack ausräumen und sich von ein paar Dingen trennen.

Jetzt geht das mit realen Rucksäcken ja leicht, aber wie ist das mit den psychischen???

Ich glaub, alles, was da drinnen steckt, ist wichtig. Egal ob es eine gute oder schlechte Erfahrung war. Es ist das Material aus dem wir gemacht sind. Davon sollte man wirklich nichts weg geben. Es macht uns aus, das gute und das schlechte. Ich glaub, Psychotherapie ist nicht der Weg des Wegmachens sondern des neu Betrachtens. Wenn ich die Scherben in meinem Rucksack immer nur als Belastung sehe und nicht erkennen, dass ich damit, wenn ich sie in die Sonne halte, auch Feuer machen kann oder ein Seil durch schneiden, dann wird es Zeit für eine Perspektivenerweiterung….

Hurraaaaaa

die liebe
Sep 22 2008

Erich ist wieder da aus Afrika…..

… bin ich froh!!!

36 [sprich: „Zu Hülf!! Sechsunddreißig!!“]

das leben und andere abenteuer
Sep 15 2008

Die Kunstschlampe ist heute 36 geworden. Zum Glück, denn wäre das nicht so, hätte ich vor langer Zeit schon ins Gras gebissen.

Grund genug sich mal mit der Zahl 36 auseinander zu setzen und ein bisschen in der Zahlenmystik herum zu googeln..

Also 36 steht für die perfekte Harmonie in der Musik und für den Vollkreis. Der hat 360° (nach Pythagoras: stellvertretend 36 = 36 + 0 = 6 * 6 als ”kreisförmige Zahl”) Das klingt nett… Die Vorstellung dieses Jahr in perfekter Harmonie zu verbringen, hat, nach den letzten Jahren, etwas sehr tröstliches.

Recherchiert man weiter, stößt man ganz schnell auf die jüdische und christliche Zahlenmystik. Durch das Addieren der Zahlen 1+2+3+..+36 kommt man zu dem Ergebnis 666. (ich hab’s nicht glauben können und es ausprobiert, das stimmt wirklich!) Diese Zahl steht für den Namen des großen Tiers ak des Antichristen.

Ich als Antichrist??? Naja, das ist dann weniger gut. Erstens hab ich mich um den Job nicht beworben (obwohl in der job-description sicher nur drinnen steht „Schau einfach zu, die machen das schon, die Menschen!“) und zweitens wäre ich dann doch mit vielen Vorurteilen konfrontiert und da kränk ich mich immer so leicht…

Fazit, heuer bin ich wohl eher ein harmonisch ausgeglichener Satansbraten, werd’ mal – meine Plänen folgend – die Kunstwelt ein bisserl aufmischen und mir den 7. Grad klettern..

Es gibt Menschen und es gibt Leut’ [leidt]

das leben und andere abenteuer, klettern
Sep 08 2008

Am Wochenende waren wir – die große Kletterfamilie - an den Wasserfallwänden. Diese sind wunderschön, romantisch und ideal für Anfänger und leicht Fortgeschrittene. Tatjana, Fred, Roswitha und ich konnten Einhängen üben und die anderen sind nachgekraxelt.

Der Wasserfall ist nicht nur toll, wenn man neben ihm hoch klettert und währenddessen von der Gischt gekühlt wird, er ist auch so eine Attraktion. Als wir nämlich so gegen 11 Uhr an der Wand ankamen, waren wir total erschrocken, weil es keinen einzigen Parkplatz mehr gab. Es war alles zugeparkt und ich musste meine Kiste im Dorf abstellen.

Umso größer die Überraschung, die Wand gehörte praktisch uns alleine. Wir schnabulierten den mitgebrachten Topfenstrudel, trainierten fröhlich vorsteigen, freuten uns über den schönen Anblick und Anita hüpfte sogar mit Badeanzug bewaffnet ins Wasser.

Am Nachmittag standen dann Tatjana und ich philosophierend vor der Wand und Tatjana meinte, „Toll, da sind echt keine Leut!“. Als sie sich aber umdrehte und zum Wasserfall sah, entfuhr es ihr! Ah, aber woher kommen all die Menschen?“

Fazit, es gibt Leut’ und Menschen. Menschen gab es am Wochenende an der Wasserfallwand sehr viele, ganze Busladungen saßen auf den Felsen rund um den Wasserfall und starrten in die Auswaschungen und in das fallende Wasser. Kletterer/Leut’ gab’s nur unsre „Familie“ und wir waren eh zu elft.

Rapunzel und andere Maiden — Beziehungsseilschaften mit GROßEN Problemen…

die liebe, klettern, mad and bad
Sep 01 2008

„Rapunzel lass dein Haar herunter, damit ich daran hochsteigen kann!“

Ach waren das noch Zeiten. Die Mädels im Turm, die Retter am Seil (oder so ähnlich). Niemals hätte Rapunzel herunter gerufen: „He Alter, wenn du dich ned eindrehst und den Untergriff da nimmst, wirst’ das nie schaffen!“ (Und falls Sie je Bekanntschaft mit Arthur gemacht hätte – nein, nicht dem Tafelritter, sondern eh schon wissen - dann hätt sie noch nach geplärrt: „Konzentrisch, du Depp, ned exzentrisch!“

Da aber nun alle Prinzessinnen gefreit sind, diese das Erklimmen des Turms durchaus als Breitensport betrachten und auch noch recht gut darin sind, wirft das für unsere Ritter ziemliche Probleme auf. Diese können es nämlich gar nicht haben, wenn die Rapunzeln ihnen vor der Nase davon klettern.

Letztens am Turm wurde ich Augen- und Ohrenzeugin einer Auseinandersetzung zwischen so einer ritterlichen Seilschaft.

Es ging um die weiße 7-. Sie kletterte sie toprope mit einem Seil aus der benachbarten Route. Folgendes trug sich zu: Rapunzel erklomm in Windeseile die ersten 20 Meter. Dann, kurz vor dem ersten Stand, hatte sie ordentlich mit dem Seitenzug des Seiles zu kämpfen. Ihr tapferer Ritter am Boden war natürlich sofort bereit sie zu retten und zog und zog am Seil, damit seine Holde nur nicht abstürzen möge.

Die Holde gab dann ihr Ziel auf und ließ sich von ihrem Ritter herab… Doch statt lobenden und dankenden Worten schalte Rapunzeln ihren Retter. „Du musst schon ein bisserl mitdenken! Gell! So geht das nicht!“

Dieser setzte sofort zu seiner Verteidigung an.

Er: ich weiß eh.. es…

Rapunzel: Lass mich bitte erklären, was nicht….

Er: Ja ich weiß schon…

Rapunzel: wie kannst du wissen, wenn du mich nicht ausreden lässt?

Er: weil ich schon weiß was du sagen willst..

Rapunzel: Nein weißt du nicht, sonst hättest du es doch richtig gemacht?! usw, usf…. (Leider muss ich ihr in diesem Punkt recht geben)

Da ich die Seilschaft schon von anderen Klettergelegenheiten am Turm kannte, muss ich völlig parteiisch und voreingenommen sagen, der Typ nervt. Er tarnt sein Nicht-so-gut-wie-sie-klettern-können mit Ausreden der Marke „Ahh heute geht gar nichts!“ „He! Kannst du nicht ein bisschen mehr Zug machen, das geht so wohl nicht!“ „Bitte schau doch wie du sicherst! Wenn du sooo sicherst kann ich ja nicht klettern können! …“

Gähn.. alles schon mal gehört. Es ist superfein und gentlemen-like der holden Sicherungsfrau die Schuld zu geben für eine schlechte Performance. Und es ist unglaublich schwer, sich Kritik und Tipps anzuhören von einem 7b-Burgfräulein, wenn man selbst ned mal eine 6a schafft… hmm.

Aber ehrlich Jungs, wir mögen euch auch, wenn ihr nicht perfekt seid.. denn wär’s anders, dann wären wir wohl schon ausgestorben….