
Ich hatte gestern eine kleine Diskussion mit zwei meiner KlientInnen. Anlass war, die Aussage von Frau A. Frau A hat einen netten Mann kennen gelernt, mit dem sie gerne plaudert. Wissend um ihr „gutes“ Händchen in Liebesdingen, hat sie für sich beschlossen, obwohl sie die Plaudereien genießt, diesen Mann nicht wieder zu sehen, weil es könnte ja so enden, wie so viele Male zuvor. Lieber keine Erfahrung machen, als eine schlechte.
Ich fragte Frau A. ob sie diese großen Tramper-Rucksäcke kenne. Die, die so hoch sind, dass sie bis über den Kopf reichen, denn ich hab das Gefühl, sie trägt den Rucksack voll vergangener Erfahrungen statt auf dem Rücken vorne und er versperre ihr die Sicht. Hier mischte sich dann Herr A. ein. Er meinte, sie solle überhaupt den Rucksack ausräumen und sich von ein paar Dingen trennen.
Jetzt geht das mit realen Rucksäcken ja leicht, aber wie ist das mit den psychischen???
Ich glaub, alles, was da drinnen steckt, ist wichtig. Egal ob es eine gute oder schlechte Erfahrung war. Es ist das Material aus dem wir gemacht sind. Davon sollte man wirklich nichts weg geben. Es macht uns aus, das gute und das schlechte. Ich glaub, Psychotherapie ist nicht der Weg des Wegmachens sondern des neu Betrachtens. Wenn ich die Scherben in meinem Rucksack immer nur als Belastung sehe und nicht erkennen, dass ich damit, wenn ich sie in die Sonne halte, auch Feuer machen kann oder ein Seil durch schneiden, dann wird es Zeit für eine Perspektivenerweiterung….




