1. Tag: Die Drogenfahndung und der Spalt im Bett
Aufbruch in Wien, es regnet wie verrückt und ich finde das Fahren ziemlich anstrengend. Mein alter Nissan ist bis zum Bersten angestopft mit Klettersachen, Essen, Hängematte und Erich und mir. Irgendwann nach Salzburg begann mich dann die Frage zu beschäftigen, ob das Auto ein privater Raum ist, so wie meine Wohnung, z.B. in der kann ich nackt herum laufen, ohne dass es mir jemand verbieten kann. Wenn das Auto also Privatraum ist, könnte ich dann nackt darin sitzen? Erich und ich kamen zu keiner Lösung.
An der deutschen Grenze überholt uns ein silberner Ford (was ja kein wunder ist, weil ich da grad mit dem CD-Player beschäftigt war und auf der Autobahn mit 120 km/h dahinschlich). Zwei Prolo-Typen starren ins Auto. Ich denk mir noch, was für Deppen, nur weil mein Auto einen Sportauspuff und ein paar andere grindige Features hat, mach ich noch lange kein Hatzerl mit euch. Der Prolo-Ford schleifte sich vor uns ein und schon leuchtet eine Anzeigentafel auf. Polizei!

Es kam noch dicker. Die zwei Ohrringerl geschmückten Zivilbullen waren von der Drogenfahndung und wollten nicht nur unsere Ausweise sehen, sondern auch unser Gepäck. Der dickere studierte eifrig Erichs Pass, während der andere den Inhalt meiner Hosentasche sehen wollte. (Zu der Zeit hatte ich grad mal einen Einkaufswagerleuro drinnen.) Nachdem der kleinere Erichs Rucksack durchwühlte hatte, ließen sie uns fahren. (Ein Glück, dass sie unsere Vorräte an Magnesia nicht entdeckt hatten. Kann man ja schnell mal mit Koks verwechseln, hi, hi aber so wie das abgelaufen ist, hätten die eh nix gefunden, ohne Hunde, denk ich mir…)
Nachdem wir dann endlich an der Italienischen Grenze waren, winkte uns die nächsten Drogenfahnder rechts ran. Die Italiener waren etwas professioneller unterwegs. Sie hatten einen ganz entzückenden Schäferhund dabei. Da wir beide aber so lachen mussten, weil wir schon wieder kontrolliert wurden, haben sie uns gleich wieder weiter gewunken.
Erich und ich beschlossen dann, bei der Rückfahrt – sollte uns das Glück ein drittes Mal hold sein – die Bullen zu fragen, wie das mit dem Privatraum Auto so ist.
Als wir dann in Arco ankamen, gab es tausende Wohnwägen und einen riesen Stau, aber kein freies Hotelzimmer. Stephano von der Pension Orchidea vermittelte uns dann im Hotel Rubino in Nago ein Zimmer. Es war teuer und armseelig, aber zum Glück eh nur für eine Nacht. Als Erich und ich dann endlich im Bett lagen, rutschten die beiden Betthälften, die auf Rädern montiert waren, auseinander und ich verschwand im Spalt… Ich war so müde, ich wär fast nicht mehr raus gekommen.
2. Tag: Im Zweifel nach oben – eine „Express-Begehung“

Regen in der Ape Maia
Letztes Jahr machte ich mit Peter Gasser die Tredicesima Luna, ein wunderbarer Mehrseiler am Monte Colodri. Den wollte ich heuer mit Erich noch mal gehen. Nur haben wir ihn leider nicht gefunden. Dafür fanden wir die Ape Maia, die ich damals eigentlich mit Peter gehen wollte, aber damals nicht gefunden haben. Sie ist in Bergsteigen.at als sehr schöne Route beschrieben. Nun ja, das stimmt nicht ganz (brüchig und unterbewertet, tät ich sagen). Die erste Seillänge war schwierig. Die zweite, eine 6a und eine 5c, sollte ich vorsteigen. Ich muss sagen, ich hab mich echt gefürchtet, aber irgendwie mit in die Exen-Greifen, ist’s dann gegangen. Am zweiten Stand begann es dann zu regnen und wir saßen – zum Glück unter ein paar Bäumen – fest. Nach einer ½ Stunden hörte der Regen auf und der Fels trocknete schnell. Zu diesem Zeitpunkt war es schon 18 Uhr. Da wir nicht wussten, ob der Regen wiederkam, beschlossen wir, ein bisserl Gas zu geben. Runter konnten wir nicht, weil wir nur ein 70m Einfachseil hatten, also mussten wir die Route schnell durchziehen. Erich stieg vor und ich kletterte mehr schlecht als recht nach. Die Bewertungen waren sehr fragwürdig und bei der vorletzten Seillänge hatte ich so Angst, dass ich mich nur mehr von Exe zu Exe hochziehen konnte, weil mich der Elvis von den Tritten geschüttelt hat. Als wir dann oben waren, war es längst dämmrig geworden. Ich war völlig ko (vier Seillängen den bladen Elvis hoch schleppen war sehr Kräfte zehrend). Um 22 Uhr liefen wir dann in der Pizzeria unterhalb des Colodri ein.
3. Tag: Val Algone und die depperte 4c
Der dritte Tag war superschön. Der Himmel blau und es war sehr heiß. Also beschlossen wir hoch hinauf zu fahren ins Val Algone. Mitten in einem ausgetrockneten Flussbett liegt eine Wand mit riesen Löchern und tollen Routen. Die Wand war ostseitig und zum größten Teil im Wald. Das Klima war sehr fein und wir waren fast alleine dort.

Erich hängte für mich ein paar Routen ein, weil ich mich immer noch nicht bewegen konnte. Ich hatte noch ziemlich Muskelkater von der Express-Begehung vom Vortag.
Dann meinte Erich er müsse mich beim Wort nehmen und mich ein bisserl zum Vorsteigen drängen. Also versuchte ich mich an der einzigen 4c im Tal. Ich hab mich da raufgezittert, schauderlich. Ich hab dauernd den Überblick verloren und sah mich schon die ganze Zeit am Boden detonieren. Naja nix is passiert! Aber gepunktet hab ich sie auch nicht. (Genau so wenig wie an den anderen Tagen im Tal, wo ich sie probiert hab und immer wieder irgendwo einen Hänger hatte) Sonst sind Erich und ich ein paar wirklich wunderschöne 6a und 6b; 6b+ geklettert.
4.Tag: Die Hängematte in Massone

Erster Rasttag. Es war unglaublich schwül und wir beschlossen Erichs Doppelhängematte im Olivenhain bei Massone aufzuhängen. Bald haben uns dort die Gelsen gefunden und mit der Entspannung war’s schnell vorbei. Also dachte ich mir, ich steig noch schnell eine 5b vor, weil ich ja üben wollte, und dann ab nach Riva zum Pizzaessen.
Die 5b war eine Katastrophe. So abgelutscht, als hätte sie jemand verfliest. Ich habe verweigert. Erich ist sie dann vorgestiegen und ich hab sie ausgebaut. Besser ist sie auch weiter oben nicht geworden.
Danach sind wir ein bisschen shoppen gegangen und nach einer Generalsanierung in der Pension nach Riva gewandert.
5. Tag: Val Algone und das Kabernossi-Debakel

Wieder Val Algone. Erich war mit seinem 7a Projekt beschäftigt. Ich kraxelte hinter her so gut es ging. Meine neue Kampf-Schuhe drückten so sehr, dass ich mich gar nicht mehr auf meine Höhenangst konzentrieren konnte. Zu Mittag gab es Kabanossi, die Astronautennahrung für Bergsteiger, so unglaublich fett und kalorienreich, dass man den ganzen Tag kein Bedürfnis nach Nahrung mehr hat. Uns war eigentlich nur schlecht und wir kämpften mit allerei Gasen.
6. Tag: Nüsse knacken in einer 6b im Val Algone
Mein Projekt „Snoopy Bar 6b“ (eigentlich eine ehrliche 6a) Ich hab sie mehrmals toprope und im Nachstieg ausgecheckt und dann versucht vorzusteigen. Der Einstieg an vier Löchern war ok. Dann kam die erste Crux. In einem mannhohen Loch aufstehen und aus dem Loch seitlich rausklettern. Dann konnte man auf einem Simserl stehen und auf das Loch oben drauf klettern. Da war es. Genau da! Da hat mich der Mut verlassen und zwar in so einer Heftigkeit, dass ich mich nur mehr zitternd und sniefend auf das Simserl zurück ziehen und den Kopf zwischen die Beine stecken konnte, bis die Panik wieder weg war. Dann bin ich weiter. Zurufe von Erich, wie „Setz dich hin und genieß die Aussicht!“ halfen wenig, weil ja gerade die Aussicht (auf die letzte Expressschlinge, die da so locker 1,5m unter mir baumelte) mich so ängstigte. Irgendwie hab ich dann aber doch noch Mut gefunden, wahrscheinlich weil die Aussicht, ins Seil zu springen mit einer Exe, die 50 cm unter meinen Füßen, über einem riesigen Loch hing, noch erschreckender war, als weiterklettern. Oben war ich dann glücklich und erschöpft.
7. Tag: Dieter, Rene, die 7a+ im Val Algone

Beim meiner Angstattacke am Vortag war ich so verkrampft, dass ich am nächsten Tag einen riesen Muskelkater im Arsch hatte. Erich meinte, ob ich da auf dem Sims mit meinem Pobacken Nüsse geknackt hab? An diesem Tag ging ich die Route noch mal (nur um sicher zu gehen, dann nicht irgendwo noch Nussschalen herum lagen). Dann hat Erich sein Projekt weiter verfolgt. Eine 7a mit schwierigem Ausstieg. Irgendwie ging aber bei ihm am Tag 7 auch nicht viel. Er hängte mir eine 6B ein, die so einen schweren Einstieg hatte, dass ich nach dem 4. Versuch völlig leer war. Nach dem argen Einstige ging es genau so knackig weiter. In ein großes Loch hinein klettern, darin aufstehen und rechts über einen Überhang rauf klettern. Ich war zu ko um Ehrgeiz zu entwickeln.
Dafür lernten wir zwei Pinzgauer, Dieter und Rene, kennen. Sie probierte sich an einer vollständig überhängenden 7a+. Wir schauten ihnen ein bisschen zu und Erich stieg sie nach. Ich hatte die ehrenvolle Aufgabe, die Jungs bei ihren Heldentaten zu fotografieren.

8. Tag: Kaufrausch im RedPoint
Wieder Rasttag. Am Vormittag sind wir zum RedPoint und haben eingekauft. Schuhe, Schuhe, Schuhe, super gute und super günstige Mammutseile, Grigri, Taschen, Halbseile (falls wir doch jemals wieder einen Mehrseiler gehen), ein Moskitonetz und 2 kg Magnesia (damit die Bullen das nächste Mal ein bisserl was zum Denken haben). Danach sind wir in die Pension zurück, haben uns aufs Bett geknotzt und sind erst um 21 Uhr wieder auf zum Pizzaessen (was sonst).
9. Tag: Die Platten des Sisyphos und nächtliche Burginvasionen
Dieter und Rene haben uns den Sektor Sisyphos empfohlen. Ebenfalls im Wald gelegen, war er nicht so heiß und angeblich noch ein Geheimtipp. Wir begannen bei der ersten Route links. Eine 5b. Ich stieg sie vor, danach noch eine 5b, die ich ebenfalls vorstieg. Soweit so gut. Dann kam eine 6a. Die war gleich so schwer, dass an ein Durchsteigen selbst in Toprope nicht zu denken war. Sogar Erich plagte sich. Die 6a daneben war noch ein Stück schwerer. Der Ausstiegszug war horror. Man stand eingedreht auf nichts und hielt völlig aufgespannt an der Wand zwei Untergriffe. Mit denen musste man auf nichts ansteigen und nach oben in einen Spalt schnappen. Dann nachgreifen und auf Reibung hoch wandern, dann konnte man einhängen. Ich hab für jeden Zug x Anläufe gebraucht. Das war ein bisserl frustrierend.
Danach gingen wir zu den Platten. Diese waren legendär. Eine 5c und eine 6a+. Beim ersten Versuch hab ich mich noch nicht getraut, aber nachdem ich die 5c Platte einmal ausgecheckt hatte, stieg ich sie vor und es machte wirklich Spaß auf klitzekleine Nippelchen anzusteigen. Erich holte sich dann noch die 6a+ daneben. Es war unglaublich auf wie wenig unsere Schuhe halt fanden.
Am Abend beschlossen wir noch in die Burg in Arco einzusteigen. Ich war letztes Jahr schon mal mit Peter oben und die Aussicht bei Nacht ist wunderbar. Der Einstieg eigentlich sehr leicht. Man bouldert über die Burgmauer und schon ist man drinnen. NUR leider haben die Burgherren ein paar ziemlich böse Kameras montiert und uns blieb der Anstieg zum höchsten Turm verwehrt (oder besser, wie zogen uns elegant zurück, weil wir nicht auch noch die Sehenswürdigkeitenschädungsfahndung auf den Fersen haben wollten) Am Rückweg begleitete uns eine beredte Katze, sie tänzelte am Geländer entlang um sich mit uns auf Augehöhe zu unterhalten.

10. Tag: In den ewigen Jagdgründen – Rissklettern am WigWam mit Tom und Monika


Heimfahrt. Am Rückweg bogen wir im Zillertal ab und trafen uns mit Tom und Monika. Der Zustieg zu den ewigen Jagdgründen ist happig. Nicht lange, aber man muss durch einen Schmelzwasserbach waten. Es war eine neue Dimension des Schmerzes. 10 Grad kaltes Wasser, das bis über die Knie reichte. Der Fels – Granit – war ungewohnt. Erich stieg zwei Risse vor, die extremes Gleichgewichtsgefühl brauchten. Am Schluss gingen wir noch an Wasserrinnen hoch. Das war für uns beide das erste Mal und es machte unglaublich Spaß, den Schuh in so einer Rinne zu verdrehen und einfach hoch zu kraxeln. Schad, dass es schon so spät war, denn ich wäre die 5c an den Wasserrinnen gerne vorgestiegen.

Um 20 Uhr brachen wir dann auf. Es gab leider keine weiteren Drogenkontrollen und so kamen wir hundemüde um 1 Uhr Früh zuhause an. Snief.. nur noch 4 Wochen bis zum nächsten Urlaub!!!
