Archive for July, 2008

600 Protokolle?..

die liebe, klettern
Jul 28 2008

Muss ich tippen??.und tu mir deswegen schon fürchterlich leid. Aber irgendwann muss ich wohl in den sauren Apfel beißen, falls ich je mit meiner Therapieausbildung fertig werden möchte?. Seufz?.

Dazwischen find ich zum Glück doch immer wieder Zeit zum Klettern. Gestern z.B. am Thaligrad? das war fein! Ich bin einen 6-er vorgestiegen und hab mich fürchterlich angesch?.. danach bin ich ihn noch mal toprope rauf und fand ihn sehr leicht ?. Es macht so einen Unterschied ob das Seil von unten oder von oben kommt.

Die Crux in dieser Route bestand aus einer Platte mit klitzekleinen Tritten und eher mäßigen Griffen. Ziel war möglichst hoch anzusteigen um zu einer Kante zu kommen. Diese war halbwegs ok, daneben gab es eine kleine Fingerleiste, die für zwei Finger Platz hatte. Mit diesen Griffen hieß es dann noch einmal hoch ansteigen, dann kamen die guten Griffe. Kling ja nicht so schwer? (wenn man mal davon absieht, dass ich mit einer irren Seilreibung zu kämpfen hatte, die es mir fast nicht möglich machte aufzustehen ? Oben am Stand war zum Glück ein Simserl an dem ich mich mit dem Rücken zum Felsen hinstellen konnten und wo ich dann mit beiden Händen und mit vollen Kräften das Seil hochziehen konnte)

Beim ersten Mal zögerte ich sehr, klettere wieder zurück. Beim zweiten Mal zog ich es durch (mit ein bisserl Schummel und Festhalten an der Exe). Beim toprope sah ich dann, dass ich den guten Griff übersehen hatte? so ein Pech!

Irgendwie ähnlich wie in Beziehungen. Wenn ich mir sicher bin, dann sind viele Hürden leicht zu nehmen und ich kann links und rechts schauen, hab einen offenen Blick für viele Dinge? Aber wehe, wenn die Sicherheit weg ist? dann werden auch kleine Herausforderungen zu riesigen Problemen?. Man wird irgendwie kurzsichtig, greift viel zu schnell zu nahe liegenden Lösungen und plagt sich dann noch mehr? vor allem wenn man durch zuviel Gepäck aus der Vergangenheit nach unten gezogen wird?.

Zu wünschen ist, dass es auch da immer wieder ?Simserl? gibt, an denen man sich ausrasten und anlehnen kann, das Seil hochziehen und sich einhängen ?.

Eva`s Apfel

das leben und andere abenteuer, die liebe, mad and bad
Jul 17 2008

Konkurrenz … irgendwie tu ich mir schwer damit.

Zunächst mal eine kleine Begriffstrennung: Konkurrenz (konkurrieren) ? Rivalität (rivalisieren) ? Wettbewerb (to compete/competition/competitive; kämpfen, antreten)

Wenn ich mir die drei Begriffe anschauen, finde ich hat Wettbewerb noch vergleichsweise etwas Spielerisches, Nettes, denn es heißt, dass ich mich in der einen oder anderen Fähigkeit mit jemanden messe. Dieser jemand ist dann in Bezug auf diese Fähigkeit besser, gleich oder schlechter als ich. Im Wettbewerb liegt von meinem Verständnis her noch keine Abwertung. Und mein Gefühl sagt mir, dass Männer Meister in der “competition” sind. Sie treten ständig an, gewinnen, verlieren, trinken ein Bier und machen weiter.

Bei Frauen ist es anders. Frauen rivalisieren (behaupte ich jetzt mal!). “Rivalität” kommt vom lat. rivalis (= “an der Nutzung eines Wasserlaufes mitberechtigter Nachbar”) und bedeutet Nebenbuhlerschaft beziehungsweise Kampf um die Vorherrschaft. (Und bei Wasser kann man sich schon vorstellen, dass es um Leben und Tod gehen kann!)

Ja, ja : Spieglein, Spieglein an der Wand…

Ich glaube, als Eva ihrem Adam dem Apfel reichte, war es nicht die Erkenntnis, dass sie nackt waren und sich dafür schämen mussten, die das Leid über die Menschen brachte. Ich glaube, es war die Erkenntnis, dass sie mangelhaft waren. Adam hatte keinen Busen und Eva keinen Schwanz. Der Vergleich war geboren und zwar der Vergleich zwischen Ungleichem! Zwischen Mann und Frau, ja selbst zwischen Frauen und zwischen Männern. Jeder Mensch ist anders, hat seine Vorzüge und seine Schwächen, wie kann ich mich da mit jemanden anderen Vergleichen?

Die Erkenntnis des (scheinbaren) Mangels ist schrecklich und der Vergleich kein probates (Danke Peter :o )… deitsches Sprach’ is schweres Sprach.. !!) Mittel um sich besser zu fühlen. Denn, so wie ich andere innerlich bewerte, genau so muss ich befürchten, dass sie mich bewerten. Das, durch den Vergleich gewonnene Gefühl des Sieges ist sehr fragil und flüchtig. Irgendwie ist darin kein Stückchen Humor zu finden..

Ferienstimmung

das leben und andere abenteuer, klettern
Jul 17 2008

Ich bin faul! Und das ist ungewohnt für mich, ja ich erwische mich sogar, dass ich mit mir selbst rede, einen inneren Dialog führen, in dem ich vor mir rechtfertige, warum ich um 11 Uhr am Vormittag mit einem Buch auf meiner Couch liege. Ziemlich schräg?

Mit dem Müßiggang hab ich so meine Schwierigkeiten. All zu schnell sind die stressigen Tage vor dem Semesterabschluss vergessen. Waren sie Wirklichkeit?

Ich merke auch immer wieder, wie ich mich innerlich antreibe, ich sollte doch ? und eigentlich wollte ich schon lange?. Dinge, die ich seit ewig und drei Tag vor mir herschiebe?. (so spannende Dinge wie die Silikone in meiner Wohnung tauschen, ausmalen, meine Festplatte ausmisten, einen neuen Badezimmerteppich kaufen?)

Das einzige ? wie immer ? zu dem man mich nicht lange bitten muss, ist klettern. Gestern hab ich meine Freundin, Evi, an den Turm mitgenommen. Und ich glaube, es hat ihr Spaß gemacht. (Zumindest deute ich so die Fragen: Und wann hast du wieder Zeit? Wie schaut?s mit morgen aus? ;o) Das Klettern ist schon etwas ganz Eigenes, wenn man sich drauf einlässt und wieder den eigenen Körper spürt, man die eigenen Stärken erfährt, körperlich und mental, aber auch all die erworbenen Starrheiten, Unbeweglichkeiten, Unbalanciertheiten, Verkürzungen,? Körper und Geist, sie sind untrennbar miteinander verbunden. Was ich auf der einen Ebene erringe, schlägt sich auf der anderen ebenso zu Buche. Das ist das Feine und Spannende daran.

Klettermäßig bin ich ja grad dabei einen Sprung zu machen. Ich bin mental gut drauf und trau mich vieles, was vor einem Monat noch undenkbar war. Beim Vorsteigen bleibe ich konzentriert. Nur ganz selten flutschen Gedanken an das Material oder an einen möglichen Sturz durch meinen Kopf. Ich bleibe fokussiert. Warum das jetzt kommt, weiß ich nicht so genau. Ist aber auch wuscht! Ich freu mich darüber, dass ich im 6. Grad vorsteige und basta! Muss ja nicht alles zeranalysieren.

Ein anderes Thema ist stattdessen in den Vordergrund gerückt. Das der Konkurrenz. Beim Klettern kann man ja gerne und viel zum Nachbarn schauen, wie der die viel schwerere Route klettert. Und ganz schlimm, wenn er noch nicht so lange klettert wie man selbst!!!!! Doch letztendlich nützt das neidige Rüberschielen gar nichts. Ansetzen kann man immer nur bei den eigenen Fähigkeiten. Und auch wenn ich mich manchmal ärgere, so ist die Lektion doch eine sehr, sehr Gute: Referenzpunkt für meine Leistungen bin ich (Nicht der Herr Nachbar, auch wenn seine Gläser sicher sauberer sind als meine!)

Das Thema Konkurrenz ist irgendwie ein roter Faden durch mein Leben und ich denke, es bedarf noch einiger Analysen und Betrachtungen dazu?? (in diesem Sinn: to be continued?)

Mein Fahrrad und ich

mad and bad
Jul 10 2008

verbindet eine Hassliebe. Schon ein Monat, nachdem ich es gekauft hatte, war die Bremse kaputt. Dann passierte der Autounfall und ich konnte mir von der Versicherungssumme ein neues, besseres kaufen. Das hatte ich allerdings nur 10 Tage, dann wurde es mir gestohlen (zum Glück versichert). Um das Geld kaufte ich mir eine Kletterausrüstung und Ersatzteile für mein altes Fahrrad, das mittlerweile in den Werkstätte des Intersports verschwunden war (dort stand es nämlich zur Schadenseinschätzung). Nach einem Monat Hin- und Hertelefoniererei und einem sehr bösen Brief hatte ich mein Fahrrad wieder. Intersport hatte es inzwischen ausgeschlachtet, weil irgendwie der Zettel verloren gegangen war, wo drauf stand, dass ich es wieder abhole. Meine miese Laune zwang dann die Fahrrad-Crew mir das Fahrrad repariert auszuhändigen, gratis, weil sonst hätten sie die Blitze und ewigen Verwünschungen meinerseits getroffen.

Nun seitdem ? das ist jetzt ein Jahr her – hab ich 4 Gangschaltungsseile, drei Bremsseile und drei Fahrradschläuche verbraucht. Heute hab ich wieder mal daran herum basteln müssen, einen neuen Mantel ? weil der alte aufgerissen war ? und vier neue Bremsen montiert. Und während ich so daran rumbastelte (und eigentlich bräuchte ich einen neuen Sattel, weil der ist auch hin, und der höchste Gang geht nicht, und die Bremsseile schauen auch nicht mehr so fit aus..) hab ich fast so etwas wie eine Beziehung aufgebaut. Irgendwie klangen wir wie ein altes Ehepaar:

Ich: Komm her du Kraksn. Was ist denn jetzt schon wieder?

Es schweigt

Ich: eh klar, hab zwar jetzt neue Bremsen für dich gekauft, aber es ist nicht genug, gell! Das Bremsseil ist auch schon durchgewetzt. Na super! Das hättest nicht gleich sagen können!

Es schweigt

Ich: (hau mich am Pedal an) Aaahhhhh! Scheiße, wofür war das? Da will ich nett sein und du legst mir eine auf? na sehr super! ?..

(Und als ich fertig war, speckdreckig, war ich schon ein bisserl stolz auf mich, dass ich das kann…)

Nekrolog2008

das leben und andere abenteuer, mad and bad
Jul 10 2008

?finde ich genial!!! So genial ? und ich hab?s wirklich erst heute entdeckt ? dass ich dem Nekrolog2008 einen Blogeintrag widme.

Heute zum Frühstück sitz? ich wieder mal am PC und lese meine Mails. Aus purer Fadesse, weil mir nur wenige geschrieben haben, schaute ich wieder mal auf die Wikipedia-Website, um mich zu bilden und zu sehen, was heute so Wissenswertes drauf steht.

Da gibt es die Rubrik >>kürzlich verstorben<<

John Templeton (95), britischer Fondsmanager (â?  8. Juli)

Giovanni Viola (82), italienischer Fußballspieler (â?  7. Juli)

Bobby Durham (71), amerikanischer Jazz-Schlagzeuger (â?  6. Juli)

Und natürlich einen Link zu >>Weitere kürzlich Verstorbene<<

(Ich vermute, der Erfinder hat Wiener Wurzeln, wie sonst erklärt sich die Liebe zum Tod? Über oben genannten Link gelangt man übrigens zu jener Website namens Nekrolog2008, in dem alle wichtigen, in diesem Jahr verstorbenen genannt werden. Mit Alter und Beruf.)

Da steht z.B. Wayne Pai, ein taiwanesischer Geschäftsmann, der meine Aufmerksamkeit dadurch erregte, dass er weder ein Künstler, noch Politiker noch sonst irgendwie ein Mensch im öffentlichen Interesse der westlichen Welt war. (Er ist übrigens mit 55 Jahren dahingeschieden). Also hab ich ihn angeklickt und musste heraus finden, dass es zu seinem Namen keinen Eintrag gab? Schade!

Des weiteren gibt es einen Link zum Nekrolog für Tiere. Dort finden wir dann Informationen wie den Todeszeitpunkt von JJ3. Am 14. April 2008 schied JJ3, der wildlebende Schweizer Braunbär und jüngerer Bruder von JJ1 alias ?Bruno? im Alter von 2 Jahren dahin. In der Rubrik ?Beleg? kann man sich einen Zeitungsartikel zum leider tragischen und gewaltsamen Tod JJ3s herunterladen. Der Bär war ein ausgesprochener Stadtbär und liebte die Nähe von Menschen. Das wurde ihm zum Verhängnis. Er wurde im Rahmen des Konzepts ?Bär Schweiz? abgeschossen. (???)

Dass es eine Sterbetafel für Tiere gibt, ist nur ein weiteres makaberes Detail unserer Gesellschaft. Das ist eigentlich nicht der Punkt, wo ich angerührt wurde.

Vielmehr beschäftigt mich das, was hinter dem Beistrich steht, Jazzsänger, Fußballspieler, Fondsmanager? Wenn wir aus dem Leben treten, werden wir an unseren Leistungen gemessen und nur wer wirklich etwas für die Gesellschaft getan hat (Fondsmanager??), der darf auch offiziell in den Medien sterben.

Schade finde ich, dass wir so nach hinten orientiert sind. Erst in der Rückschau wird der Wert einer Person erkannt. Ich frag mich schon die ganze Zeit, ob wir Menschen, wenn sie auf die Welt kommen, mit der selben Hochachtung begegnen, wie wenn sie diese Welt verlassen? Und was wäre mit all den Junkies, Knackies, Psychos, wenn man ihnen von Geburt an dieses wohlwollende Vertrauen geschenkt hätte? (?Über Lebende soll man nicht schlecht reden!? Oder waren es doch die Toten?)

Und jetzt mal ganz ehrlich: Woran misst sich der Wert für eine Gesellschaft? Wenn Schreckliches durch Menschenhand passiert, hat das doch immer zwei Seiten? Die, die wir verurteilen sollten (und tun) und die, die uns in Gespräche bringt, die uns mobilisiert, es für die Zukunft besser zu machen, die uns mobilisiert, an eine Zukunft zu glauben (weil warum sonst besser machen?).

Heute hab ich in der Presse gelesen, dass die Englische Kirche Frauen zum Bischof ernennen möchte. Dies bewog viele männliche Würdenträge nicht nur heulend die Köpfe zu schütteln sondern mit dem Austritt und Übertritt in die Katholische Kirche zu drohen. Frauen in der Kirche seien der Anfang vom Ende! Dies sei keine Kirche, mit der sie sich noch identifizieren könnten. Es werden schon Überlegungen angestellt, ob es nicht extra Refugien geben sollte, in die männliche Priester flüchten könnten, wenn sie mit ihren weiblichen Bischöfinnen nicht zu recht kämen.

Hmmm? Was wir verurteilen und widerwärtig finden ist wohl sehr subjektiv. Ebenso wie das, wovor wir Anerkennung und Hochachtung fühlen. Und manchmal fühlen wir beides zu gleich. Respekt für die Kraft und Stärke, die es braucht um bestimmte Gesellschaftsziele zu erreichen und Irritation wie Verwunderung, dass man so ein System mit Arbeitskraft, Know How und Lebenszeit unterstützt?

Seltsam, seltsam?

Bedeutungen

das leben und andere abenteuer, die liebe
Jul 08 2008

Letztens philosophierte ich mit Erich über Missverständnisse?. Über Männer und Frauen. Das Fazit war, dass Männer immer nur das sagen, was sie meinen und Frauen immer mehr meinen als sie sagen.

Ein Klient von mir meinte unlängst, dass er nicht verstünde, warum er sich immer mit seiner Freundin streite. Sie jammere, dass eine Online-Überweisung nicht geklappt hat und er schlug verschiedene Lösungen vor, wie es doch funktionieren könnte. Das Ergebnis war, dass sie völlig ausrastete und meinte, sie sei doch nicht blöd.

Also was passiert da? Im Äther, zwischen Mann und Frau?

Probleme (zu) schnell einer Lösung zuzuführen ist super, oder doch nicht? Oder geht?s darum nicht? Nicht immer?

In der Kommunikationsbibel ?Miteinander reden? von Schulz von Thun steht die Unterscheidung zwischen Ausdrucks- und Wirkungsorientierung. Sag ich etwas, um es gesagt zu haben oder um etwas zu verändern? Eine wichtige Fragen?.

Und wenn es dann so richtig zur Sache geht, die eine “nur” ihre negativen Gefühle abladen will, der andere ?nur? helfen will und darin einen Appell an das Beschützerherz hört?. dann kann schon ganz schön was schief gehen.

Ein wichtiger Punkt ist, glaub ich zumindest, dass wir immer schon davon ausgehen, dass wir wissen, was etwas bedeutet. Von Foerster meinte mal über die menschliche Kommunikation, dass das Missverständnis eigentlich die Regel ist, weil wir die Bedeutung dessen, was wir sagen, auf dem Weg zum anderen nicht mitschicken können. Da sendet nun die Venus eine Botschaft an den Mars und wundert sich, dass nur Fragmente ankommen?

Im Endeffekt weiß ich niemals, was etwas für jemanden bedeutet und welche Bedeutung es dadurch wiederum für mich hat. (ist ja meisten auch nicht so wichtig. 40% Verständnis genügen für den Alltag, nur für Beziehungen, da reicht?s nicht!)

Nehmen wir wieder meinen Klienten. Seine Freundin gibt viel Geld aus. Er weiß nicht so genau, woher es kommt und wenn er nachrechnet, gibt sie mehr aus, als sie verdient. Dabei wird ihm Angst und Bang. Was bedeutet das für ihn? Wenn er vor hat sie zu heiraten? Wie werden sie ihr Leben bestreiten können, bei seinem Verdienst? Welches Rollenbild er dabei hat, ist eine weitere Frage. Was bedeutet es Mann zu sein in einer Beziehung, einer verheiratete Beziehung. Welche Ansprüche stellen die beiden aneinander?.. Und wiederum welche Ängste, Versagensängste entstehen dadurch, dass man die phantasierten Rollen nicht erfüllen kann?

Die Lösung?

Reden, reden, reden?. aber das ist nicht so einfach, mit dem anderen Geschlecht?. wie wir wissen?

Big sister is watching you?. (run, baby, run!)

das leben und andere abenteuer
Jul 02 2008

Gestern

Gestern kam ich von einer Begutachtung aus dem Korneuburger Knast. Ich parkte mein Auto in der Operngasse, stellte den Motor ab und sah, wie ein Mann zwei Autos vor mir versuchte einen silbernen Skoda aufzubrechen. Er hatte einen eigenartigen Schraubenschlüssel in der Hand und hantierte am Schloss der Fahrertür. Seinen Körper an das Auto gelehnt, damit das, was er tat, nicht so offensichtlich ist. Dann kam eine Gruppe Männer am Gehsteig daher. So schnell konnte ich nicht schauen, war dieser Mann verschwunden?..

Ich ? noch ganz wuschi von den Begutachtungen der letzten Tagen (waren alles Einbrecher, die im großen Stil Wohnungen und Geschäfte leer geräumt hatten, um sich ? wie sie behaupteten ? ihre Drogen zu finanzieren) ? kombinierte und rief die Polizei. Weil eh so viele Streifenwagen im Bezirk herum streiften, mögen die Herren und Damen der Polizei doch so nett sein und ein bisserl ein Auge auf die Gegend werfen: Mittelgroß, dunkelblond, kurzärmeliges hellblaues Hemd, dunkel Jeans und offensichtlich an Autos interessiert?. Kurz darauf war die Polizei vor Ort (der zuständige Polizist rief mich nämlich an) und versprach ?der Sache nachzugehen.?

Gestern

Gestern war ein Scheißtag. Der Kunde war unerträglich mühsam und ich zu spät. Zwischen Baden und Wien nur Stau. Ich pack also meinen Laptop, mein Sakko und knallte die Autotüre zu. Schon als die Türschnalle die Hand verließ wusste ich es. ?SCHEISSSSSE!!!!? durchfuhr es mein Hirn, ?der Autoschlüssel!?. Beim Kundentermin war ich dann unkonzentriert und schon ziemlich sauer. In dem Cafe, wo wir uns trafen, fragte ich dann einen der Kellner, ob er die Nummer des Ã?AMTCs wusste, damit der mir das Auto aufmacht. Der Kellner antwortete im tiefsten Wienerisch: ?Herast oida, bist a Mann oda koana. Da host an Schraubenschlüssl?. Wast eh wost damit tuan musst, oda?? Naja, ein Versuch war es wert.

Also stand ich vor meinem Auto, die Zeit drängte und ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, wie man ein Auto knackt. Der Typ aus dem Cafe stand an der Scheibe, Daumen nach oben grinste er mich an? also steckte ich den Schraubenschlüssel ins Schloss und drehte? das ging natürlich nicht und wie zum Hohn blinkte die Alarmanlage in ihrem regelmäßigen Rhythmus. Also versuchte ich es noch fester. Ich stemmte mich gegen das Auto, doch nichts passierte. Ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass es höchste Zeit ist? der nächste Termin stand an? Wütend lief ich noch mal zum Cafe und dabei fast eine Gruppe Menschen nieder?.. Ich fragte noch mal nach der Nummer vom Ã?AMTC. Der Techniker am Telefon bat mich, beim Auto zu warten, es würde 20 Minuten dauern. Also rief ich den Kunden an, verschob den Termin und stellte mich zum Auto. Dort wartete allerdings die Polizei auf mich?..

(Story and facts by Nina Knatterton, the worst detective and most wicked neighbourhood-watch ever… natürlich ist alles frei erfunden, fast zumindest ….)