Archive for June, 2008

Usability und Kundenlogik

das leben und andere abenteuer
Jun 30 2008

Vor langer, langer Zeit hab ich mal eine Dissertation über Usability, Kundenlogik (Kognitive Ergonomie) und Internet geschrieben. Schwerpunktmäßig kreisten die 450 Seiten um die Frage, wie man Websites so gestalten kann, dass sich ein durchschnittlich begabter Nutzer darin zurecht findet und diese nicht verlässt, bevor er an sein Informationsziel gekommen ist?

Seit dem ist in Punkto Webdesign sehr viel passiert. Heureka1!! Nur am Land, da gehen die Uhren anders und so kam es, dass ich ? nachdem ich feststellen musste, dass einer meiner Knackies, über den ich ein Gutachten verfassen sollte, in Korneuburg im Gefängnis sitzt – mit meiner Recherchefähigkeit ziemlich an meine Grenze kam.

Zunächst probierte ich mal das www.telefonbuch.at. Nur ist die Nomenklatur gerade wenn?s ums Wegsperren geht, sehr undurchsichtig. (Man will ja auch die Bösewichte unserer Gesellschaft nicht mehr sehen.) Also probierte ich folgende Begriffe (natürlich in Kombination mit Korneuburg) Justizanstalt, Strafgefangenenanstalt, Gefängnis, Haftanstalt, Justizstrafanstalt, Landesstrafanstalt, Gefangenenhaus,?. kein Ergebnis?

Zwischendurch probierte ich es dann mit der www.korneuburg.at Seite. Immerhin sollte die Gemeinde doch wissen wo ihr Häf?n ist. Nur wo suchen? Wo könnte sich der Link verstecken?

Unter Freizeit, Sport und Tourismus vermutete ich mal nicht, dass ich die Gefängnisadresse finden werde, ebenso wenig unter Gesundheit und Soziales, Heiraten in Korneuburg und Kirche und Religion..

Die Wahl zwischen Politik (nun ja Verbrechen und Politik gehört schon ein bisserl zusammen) Bürgerservice und Verwaltung (auch nicht so schlecht, im Sinne der zunehmenden Überwachung des Bürger ?Normalos? warum nicht. Bespitzelung wird ja eh wieder in und Gefängnis und Verwaltung liegen semantisch doch auch sehr nahe.. zumindest hab ich mich in meinem letzten Verwaltungsjob wie im Gefängnis gefühlt)..

Langer Rede kurzer Sinn.. ich hab?s dort nicht gefunden. Fündig wurde ich über googel: Ein Maler und Anstreicherbetrieb gab als Referenz den richtigen Wortlaut an, der da lautete ?Justizanstalt und Landger. Korneuburg ? (warum das so im Telefonbuch nicht drinnen steht, weiß der Himmel) Wieder über Googel kam ich dann zur Adresse.

Diese steht auf der Website: http://strafvollzug.justiz.gv.at/justizanstalten

Und nach nur (!!!!) 15 Minuten war ich am Ziel. Wenn schon die Usability der Websites nicht hinhaut, an meiner Frustrationstoleranz gibt?s echt nichts zu meckern.

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Die Erfahrung?

das leben und andere abenteuer, klettern
Jun 26 2008

meiner eigenen Mittelmäßigkeit tut weh. Und jetzt grüble ich schon Tage lang herum, warum mich mein miserabler ?Auftritt? beim Kletter-Übungsleiter immer noch beschäftigt. Denn um den geht?s. Oder besser gesagt, es geht wieder mal ums Klettern. Ich finde immer noch, dass beim Klettern, wenn man genau aufpasst, viele Themen auftauchen, die auch außerhalb der Wand wichtig und aktuell sind.

Ich war bei der Prüfung und beim Kurs schlecht. Nun, das ist schon früher mal vorgekommen, dass ich irgendwo nicht super war, meistens aber nur dann, wenn es mir nicht so wichtig war. Das war diesmal aber nicht der Fall. Warum ich überhaupt nicht präsent war, hatte viele Gründe und im Nachhinein klingen sie alle wie Rechtfertigungen. Ich war einfach mittelmäßig und jeder der Gründe ist bei näherer Betrachtung selbstverschuldet.

Ich merke, dass ich nicht nur viel Stress in den Kurs mitgebracht habe, sondern mir auch selbst einen großen Stress gemacht habe. Weil ich dort nicht nur einfach als Nina, sondern als Psychologin, die Sturztrainingseminare begleitet, teilnahm. Ich hab oft das Gefühl, dass von uns PsychologInnen erwartet wird, besonders perfekte Menschen zu sein. Wir dürfen keine Probleme haben, nie schlecht drauf sein, nie Beziehungskrisen schieben und unsere mentale Stärke muss allgegenwärtig und jederzeit vorhanden sein.

Und das Arge ist, ich weiß nicht mal, ob die Leute das wirklich erwarten, oder ob ich nur glaube, dass sie das erwarten und ich Wirklichkeit stell ich den Anspruch an mich selbst. Ich erlaube mir keine Schwächen. Ich will alles können, ich will einfach perfekt sein?.

Und dann das!!!

Es ist leicht für mich, mich auf meine professionelle Insel zurück zu ziehen und mich tröstend daran fest zu klammern, dass ich eine gute Psychotherapeutin bin und das ist das einzig wichtige (trotz!). Aber würde mir dann nicht etwas entgehen? Eine wichtige Lektion? Ich wollte etwas und hab?s nicht bekommen (und es ging nicht um den Schein!). Wääääh! Die eigenen Schatten, die eigene Schwächen kennen zu lernen ist echt nicht lustig?

All die Fragen, die diese Erkenntnis aufwirft, werde ich privat erörtern? nicht be-/getroffen einen Rückzug anzutreten, sondern dran bleiben ….ist ja mal etwas Spannend-Anderes, meine Biographie des Scheiterns

Kletter-Träume?

klettern
Jun 23 2008

Also nach fünf Tagen schuften und büffeln bin ich frisch gebackene Kletterübungsleiterin und darf jetzt Kurse abhalten. Für die Prüfung hat?s gereicht, für meinen persönlichen Anspruch an mich nicht. (Und alles auf einen schlechten Tag schieben.. naja.. das wäre zu einfach..)

Resümierend muss festhalten, ich kann halt einfach noch nicht so gut klettern, vieles ist noch nicht Routine und wenn ich Felsen sehe, krieg ich sowieso die Panik. Die tolle Überraschung war das Sturztraining.

Jeder ?wirklich jeder - der mich kennt, weiß, dass ich mich noch mehr als vor der Höhe vorm Stürzen fürchte. Das Sturztraining war nicht ohne. An der ?Struktur-Beule? des Flakturms hängen, die Füße ausgestreckt bei der letzen Express. Fallhöhe ca. 4-5m. Was ich jetzt schreibe, glaub ich selbst kaum: Es ging überraschenderweise sehr gut (hat sogar ein bisserl Spaß gemacht). Mein neues Rezept ? ich wende an, was ich in meinen Kursen zur Psychoregulation unterrichte. Natürlich red ich in den vier bis sechs Stunden Sturztraining viel und alles wende ich nicht gleichzeitig an (weil sonst tät ich immer noch da oben hängen). Ich glaub, die Schlüsselpunkte waren, dass ich Markus - meinem Kurs-Kletterpartner ? wirklich 100% vertraut habe und ich mir deshalb keine Sorgen mehr machen musste, ob ich an der Wand detoniere oder nicht. Ich wusste, er macht das richtig. Das heißt auch, dass es mir möglich war ein großes Stück weit die Kontrolle abzugeben. Neben dem Vertrauen kam dann noch das Visualisieren. Seit mir Christoph vom Flakturm erzählt hat, dass wir von der Beule hüpfen müssen, hab ich mir das immer wieder vorgestellt (natürlich mit Happy End) Oben stehend hab ich mir dann jeden unproduktiven Gedanken verboten und bin mit dem Kommando an mich: ?Scheiß drauf, der Knoten hält!? gehüpft. (Leider bin ich das wirklich und musste noch zwei Mal springen, damit ich eben nicht mehr springe, sondern mich fallen lasse? seufz)

Sonst.. Ja sonst, die Technik?.

Ich muss da echt noch sehr an mir arbeiten und an meiner Kraft, weil für den echten Felsen fehlt?s mir gehörig am Strom?. Die Kraft, die ich bräuchte, zum Finden der richtigen Griffe, die fehlt ?

Daher.. meine neues Sommerprojekt ? Vorsteigen am Felsen üben?

Ein gutes Zeichen?

das leben und andere abenteuer, kunst
Jun 18 2008

Detail meiner Semesterarbeit

Semesterende? wie immer die halbjährliche Demütigung durch unser Lehrpersonal? dieses Jahr nicht ganz so schlimm.. vielleicht haben sie langsam aufgegeben, uns aufgegeben, wir, der renitente Kern der Klasse, der sich nichts sagen lässt, nichts so sagen lässt, lieber untergehen als unterordnen?

Nun ja, bevor ich ?Widerstand!? schreie, doch lieber den eigenen Weg suchen und gehen? die eigenen Fehler machen. Vielleicht der harte Weg zu lernen, weil ich niemanden nachher böse sein kann, mich nicht in Selbstmitleid ertränken kann, weil ich selbst dafür verantwortlich bin.

Widerstand???

Widerstand macht nicht frei? er braucht das Gegenüber! Etwas, gegen das man sich stellen kann?. Das ist im Moment nicht mein Thema?

Ich bin am Aussortieren. Das Kunststudium und die Psychotherapieausbildung gehen langsam zu Ende und ich habe das Gefühl, dass es Zeit wird, Prioritäten zu setzen, auszuwählen, womit ich mich in den nächsten Jahren beschäftigen will.

Ich merke auch, dass sich innerlich etwas bei mir verändert. Ich habe eine neue Klarheit und eine neue Stärke entwickelt und möchte mehr Raum, mehr Qualität, mehr Tiefe. Es heißt auch Abschied nehmen von längst überflüssig gewordenem.

Innerer Klarheit folgt äußere. Ich miste meine Wohnung aus, gestalte sie neu, so dass wieder Platz wird. Ich werde auch meine berufliche Situation überdenken? Ein Jahr ist schnell vorbei und dann? dann möchte ich nicht mehr so hetzen, so getrieben von einer Arbeitsstelle zur anderen rasen, nirgends wo sein und doch überall?.

Es kommt eh alles, zur rechten Zeit, zu der Zeit, wo man auch bereit dafür ist??

Und plötzlich..

klettern
Jun 12 2008

Plötzlich ist es passiert. Seit Ostern war Stillstand angesagt. Ich war klettermäßig ausgebrannt, alles tat weh und ich dilettierte Monate im fünften Grad herum. Und dann?.

Vorgestern begann die Erntezeit. Ich stieg - wohl auf Drängen von Erich hin ? eine VI vor. Punktete sie. Hurra!!!! (Ok, ich hab sie vorher gut ausgecheckt.)

Und gestern, gestern wagte ich mich in die neuen Überhänge am Flakturm. Und siehe da? plötzlich war das Eindrehen nicht mehr das Problem. Und die Höhe auch nicht mehr (beginnen die Überhänge doch in 22 m).

Ich hoffe, das Wochenende wird ? entgegen den Prognosen ? sonnig. Damit ich gleich mal schauen kann, wie es mir so am echten Felsen geht.

Beobachtungen & Belauschungen

klettern
Jun 10 2008

Ja Haaaaaalo!
Se?as!………….Heast, du hast abgenommen!
na und du?
ich hab zug’nommen…
ja, blad bist wurn!
[verlegenes grinsen]

Hmmmm?!

Diesen an Oprah Winfrey anmutenden Dialog hörte ich heute 8:30 Uhr am Gehsteig. Zwei Männer, offensichtlich Bekannte, der eine lud gerade sein Maurerwerkzeug in den Van, der andere kam zufällig vorbei?.

Vor ein paar Tagen stand ich am Flakturm. Neben der Kletteranlage ist ein Kinderspielplatz mit einer Bahn zum Skaten. Drei Jungs im Alter von ca. 12 Jahren spielten dort Fußball. Einer kletterte über den kleinen Begrenzungszaun und rutschte ab. Der Zaun fuhr ihm ungebremst ins ?Gemächt?. Die Schreie des Jungen gingen mir durch Mark und Bein und dauerten sicher 10 Minuten. Er war weiß wie die Wand. Seine zwei ?Freunde? lachten sich schief, die Männer am Turm ? und dort waren fast nur Männer ? lachten verlegen. Offensichtlich kannten sie alle den Schmerz, den so ein Unfall erzeugt. Einer der Jungs sagte dann zum anderen, er solle hingehen und ihn trösten. Dieser ? offensichtlich von Taubheit oder Dummheit geschlagen ? ging zu dem armen Tropf hin und gab ihm einen Tritt. ?Trösten!!! Nicht Schlagen, du Depp!?, schrie der andere…

Irgendwann konnte ich dem Treiben nicht mehr zusehen, musste aber leider gerade sichern. Also sagte ich zu den Männern am Turm, ob nicht einer dort hin gehen will, um den Jungen zu fragen, ob er einen Arzt braucht. Ich würde es selbst tun, denke aber, dass er vielleicht nicht mit einer Frau über die Farbe seiner Eier reden möchte. Schon wieder dieses verlegene Grinsen. Keiner der Männer rührte sich. Als ich mit dem Sichern fertig war, ging ich zu dem Jungen. Diesem stand der kalte Schweiß immer noch auf der Stirn, war aber eher peinlich berührt, als ich ihn ansprach. Gott-sei-Dank hatte dann doch einer der Männer den Mumm hinzugehen und mit ihm vertraulich zu reden und ihm zu empfehlen, einen Arzt aufzusuchen. Ich hoffe sehr, er hat das auch getan.

Ich frag mich jetzt natürlich, was los ist. Sonst reden Männer doch so gerne über ihre ?Teile?. Nur wenn sie nicht funktionieren, nicht der Norm entsprechen oder die Farbe des Regenbogens haben, dann nicht. Obwohl es doch gerade dann notwendig wäre?.

Hmmm?!

Irgendwie macht mich das alles stutzig. Die nach Außen getragene Selbstsicherheit zerbricht recht schnell, wenn es um richtige Anteilnahme geht?. Und da unterscheiden sich Männer von Frauen nicht? Vielleicht hab ich nur etwas Anderes erwartet?.

Shopping-Lust

klettern
Jun 05 2008

Heute in der Früh wurde mir klar: ?Ich muss shoppen!? Ich hätte da an Schuhe und Strick-Ware gedacht. Ach, würd ich gerne nach Italien fahren um mich dort einzukleiden! Und mir endlich ein neues Seil zu kaufen?und neue Kletterschuhe (was habt ihr denn geglaubt???).

Meine fast noch neuen Milet-Schuhe ? ich hab sie mir im März gekauft ? sind schon beinahe wieder durchgescheuert und so sehr ich über sie geflucht hab, weil sie zum hooken nicht gut geeignet sind und auch sonst recht schnell größer geworden sind? Jetzt hab ich mich an sie gewöhnt und find sie eigentlich recht ok, vor allem auf keinen Leisterln und Fuzzinipperln. Da picken die wie mit Superkleber festgemacht.

Und das brauch ich auch, denn die 7/7+ am Flakturm ? die grüne Route - geht nur, wenn man viel auf Reibung steigt. UND gestern? gestern bin ich sie dann endlich auch durchgestiegen, ohne rasten und ohne ins Seil setzen?. Danach noch eine 7+ und nach drei Folgen Nick Knatterton bin ich tot ins Bett gefallen.

Mein Reise-Schwein

klettern
Jun 02 2008

Die Vernissage war ein richtiger Erfolg. Ich habe ?deconstructing venus? verkauft. Etwas Abschiedsschmerz spüre ich schon, aber auf der anderen Seite schafft das auch Platz für Neues. Und Evi sagt ja immer, dass mir die Ideen eh nicht ausgehen? also ?why worry??

Das Geld wandert direkt in mein Reise-(Spar)Schwein. Der Flug nach Kalymnos ist bezahlt und das ist super, weil als Selbständige gibt?s sowieso kein Urlaubsgeld.

Und sonst? hab ich mich vom Stress ? und den hatte ich wirklich, war ja schließlich die erste Vernissage ? erholt. Erich, Safti, Richard, Christian und ich waren am Thaligrad klettern. Ich bin drei Mal eine VI+ rauf und finde, dass ich mich gar nicht so ungeschickt angestellt hab. Ein zwei Mal noch, dann trau ich mich sie vorzusteigen.

Dieses Woche wird kunstmäßig spannend. Vielleicht ergibt sich noch eine weitere Ausstellung, an der ich heuer teilnehmen werden, wer weiß? und ich werde berichten.