Also Peter hat einen Artikel geschrieben auf bergsteigen.at. Er stellt sich darin die berechtigte Frage, warum man in einer VIII- einen zusätzlichen Haken bohrt, damit sie “sicherer” wird. Argumente dafür und dagegen gibt es viele. Sicherheit ist schon gut und das ist wahrscheinlich das Argument, dem am schwersten zu kontern ist. Dass dadurch die Route verändert wird, sie nicht mehr so ist, wie sie der Erstbegeher gedacht hat, sie das “geistige Eigentum” des Erstbegehers devastiert, ist nur ein Aspekt der ganzen Debatte. Um im 8. Grad klettern zu können, muss man schon viel Zeit, Energie und Motivation aufbringen. Muss man das wirklich noch? Oder gibt es bereits Abkürzungen? Z.B. durch die Eliminierung der Vorstiegsangst durch Übersichern einer Route.
Weltcup Abfahrtsläufe machen eam a bisserl müd
Weu er is abgebrüht
Wenn eam dabei irgendwas erregt
Dann nur, wenn’s einen ordentlich zerlegt
Ein Sturz bei 120 km/h
Entlockt ihm ein erfreutes “Hoppala”
(Reinhard Fendrich, Es lebe der Sport)
Mittlerweile kann man ja alles im Computer simulieren. Angeschlossen an Sensoren, ausgestattet mit Lenkrädern, Schaltknüppel etc. kann man ohne Probleme ein Autorennen simulieren. Die visuelle Darstellung ist mittlerweile fast 100% naturgetreu. Das tatsächliche Verletzungsrisiko ist gleich Null (außer man zwickt sich beim Einschalten des Computers beim CD-ROM-Laufwerk ein).
Warum finden Liveübertragungen von virtuellen Autorennen keine so große Anhängerschaft? Würden doch die bösen Crashs und toten Autorennfahrer ein für alle Mal eliminiert werden?
Weil Sport eben nicht nur Bewegung, Technik und Kraft ist, sondern auch eine starke psychische Komponente besitzt. Risikobereitschaft gehört dazu, der Umgang mit Angst, mit den eigenen physischen und psychischen Grenzen. Eine Route wird als “moralisch” eingestuft, wenn die Sicherungsabstände und die Ausgesetztheit vom Kletterer/von der Kletterin besondere psychische Kraft verlangen. Auch die ist trainierbar.
Sich beim Klettern auf die psychische Ebene einzulassen, ist wohl dem einen oder anderem suspekt. Weil sie eben nicht so eingegrenzt ist, wie ein spezielle Muskelgruppe, die ich am Campusboard trainieren kann. Angst ist ein roter Faden, der sich durch die gesamte Existenz zieht und Blockaden zu lösen heißt sich der Angst als Gesamtes zu stellen. Dass da lieber einer mal einen zusätzlichen Bohrhaken setzt.. naja, ich kann?s verstehen. Der Dämon bleibt unterm Bett und der Tag ist gerettet, bis zum nächsten Mal?.