Zurzeit geht mir einiges durch den Kopf. Es scheint als würde ich von meiner Quarterlife-Crisis direkt in die Midlife-Crisis überwechseln. Die Wurzel des Übels habe ich bereits identifiziert. Ich habe die Eigenschaft, mir immer einen immensen Druck zu machen. Alles muss super sein, mindestens, und wenn ich dann schon mal so richtig g’scheit Druck hab, dann geht nichts mehr. Dann will ich nicht mehr, dann g’freut’s mich nicht mehr und überhaupt….
Die Freude an der Sache geht dabei verloren. Und was für meine Arbeit als Psychotherapeutin gilt (hier der Druck der existenziellen Sicherung) gilt genau so für die Kunst, wie das Klettern. Am leichtesten und besten lässt es sich am Klettern illustrieren.
Das Fallen ist so eine Sache. Sturztraining, die meine nicht…. Da gibt es den Kopf, der mir zweierlei Botschaften sendet. Die eine, es ist gefährlich, ich könnte mich anhauen, verletzten, einen Zahn ausschlagen (wirklich das denke ich, wenn ich 20 m über dem Boden hänge) oder einen Fuß verstauchen. Die andere ist, es ist notwendig, dass ich das kann… und eine ganz, ganz leise Stimme sagt, “Du bist eh schon drei Mal ins Seil gefallen, und nix is passiert!” Dann gibt es einen irrationalen, emotionalen Anteil, der sich am Griff festklammert und es schafft, in einer 6b 1,5 m auf Scheißgriffen abzuklettern, sich mit letzter Kraft in die benachbarte 6b zum nächsten Bohrhaken zu retten nur um nicht zu fallen. Der Kraftaufwand war gigantisch, ich danach völlig ko. Hätte viel Kraft gespart, wenn ich einfach los gelassen hätte und es ein zweites Mal mit anderen Griffen probiert hätte…..
Wie ist das nun, wenn man sich im “realen” Leben verrennt? Zurück gehen? Abklettern? Loslassen? Was ist, wenn frau mit 35,5 Jahren eigentlich draufkommt, dass eine Geschichte, eine berufliche Laufbahn zu Ende erzählt ist und sie eigentlich ganz etwas Neues ausprobieren möchte? Wieviel Mut braucht es, das alte Loszulassen, wenn die Vernunft gebietet, doch existenziell sicher unterwegs zu sein. Wieviel Mut oder auch Vertrauen braucht es, in die eigenen Kräfte und Potenziale, dass eh alles gut wird? Und wieviel Stärke ist notwendig, sich nicht verführen zu lassen, wieder in die alte Spur zu gehen, weil es bequem ist, weil es vertraut ist, weil man sich des Erfolgs sicher sein kann?
Ich hab mich diese Woche beworben. Es ist eine tolle Einrichtung, bietet ein interessantes Betätigungsfeld (bei leider mieser, aber dem Sozialbereich entsprechender Bezahlung), Krankenversicherung, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Weiterbildungsmöglichkeiten,…. Die Einrichtung ist sehr an mir als Mitarbeiterin interessiert…. und ich? Ich merke, dass mich das Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld, die Sicherheit mehr interessiert als der Job. Da ist doch was faul?
Im Grunde ist es nicht das, was ich eigentlich will, ist es nicht meine Erfüllung dort zu arbeiten. Es wäre nur einfacher…..
Und wieder sagt die Piepstimmer in mir, lass es los! Gegen den Chor der Vernunft, nur leise wahrnehmbar….
Ich erinnere mich an einen Film aus meiner Kindheit. In dem spielte ein Junge, der immer nur gehänselt wurde, die Hauptrolle. Er sagte zu seinem Großvater, er wäre gerne Supermann, denn der habe unendlich viel Mut. Der Großvater antwortete darauf, wer unverwundbar ist, braucht keinen Mut.
Nun ich brauche allen Mut der Welt! Denn ich möchte ein Atelier aufmachen, ich möchte Kunst-Handwerk produzieren und ich möchte das alles, obwohl ich kreativ im Moment eine Krise habe, nicht inspiriert bin sondern eher erschöpft und immense Zweifel habe, ob ich mich in diesem sehr engen Segment, behaupten werde können….








