Der Wolf verschluckte die Ente. Peter überlistete den Wolf, fing ihn mit einem Seil. Und weil die Ente in seinem Bauch so lustig quakte, brachte er ihn in den Zoo (statt ihn zu töten).
Soweit die Kurzfassung des Märchens von Sergej Prokofjew. Seit zwei Tage denke ich an diese Geschichte. Erst dachte ich, dass es am Namen lag, weil ich wieder einmal eine (fruchtlose) Diskussion mit Peter, unserem Assistenten für Gipstechnik, hatte. Nachdem ich das Märchen zum Auffrischen der Erinnerung wieder gelesen hatte, fielen mir dann doch noch mehr Parallelen auf.
Der Peter aus dem Märchen versucht ein wildes Tier zu fangen und, weil es so anders ist als alle anderen, es in den Zoo zu stecken. Dort, weit weg von seiner natürlichen Umgebung, muss der Wolf quasi als Schauobjekt, als Kuriosum dahin vegetieren. Happyend gibt’s keines.
Die Diskussion mit dem Gips-Peter erinnert daran. Sein Verständnis von Pädagogik lässt sich auf die kurze Formel reduzieren: Es geht darum die Persönlichkeit zu formen. (Nun ich finde ja mehr, dass das Aufgabe der Eltern und des Psychotherapeuten des Vertrauens ist.. aber das ist ja nur meine Meinung ;o) Mit universitärerer Erwachsenenbildung hat das wenig zu tun. Ich dachte ja bis jetzt, dass wir hier sind, um das, was in uns steckt, besser (= technisch und inhaltlich) ausdrücken zu lernen. Aber nein! Die Kunst ist nur das Nebenprodukt.
Tatsächlich geht es offensichtlich darum, dass wir StudentInnen das Material für die gelangweilten Profs und Assis sind, an denen sie Selbsterfahrungsszenarien ausprobieren, bis endlich eine/r weinend und nervenzusammenbrechend da sitzt, dann können es sich unsere “Lehrer” in der Rolle der Retter und Seelentröster richtig gemütlich machen und uns sagen, wie’s und wo’s lang geht. (ohne großen Widerstand und ohne kritisches Hinterfragen dafür in unendlicher Dankbarkeit… wie bequem!) Dann können sie sich endlich wichtig und allmächtig fühlen. Als die Gestalter der neuen Generation KünstlerInnen…
Ich frage mich, wo dieser gottgleiche Allmachtsanspruch her kommt und ob ihnen wohl der Ton zu Kopf gestiegen ist?
Bled is nur, dass ich mich gegen jede Art des seelischen Missbrauchs wehre wie eine Promenadenmischen aus Pitbull und Jackie Chan. Da hörte ich von Peter, dass meine Persönlichkeit eigentlich für die Kunstuni zu gefestigt sei und sie deshalb so alte StudentInnen wie mich normalerweise nicht aufnehmen… Fairer Weise denke ich über so eine Kritik nach.. Bis zu einem gewissen Grad haben sie recht. Ich übernehme nicht unkritisch ihre Meinungen. Ich hinterfrage, versuche zu verstehen, ich grenze mich aber auch ab. Ich bin sicher disbezüglich ein harter Knochen. Guter Kritik (ist nicht gleich bequeme Kritik) hingegen bin ich sehr aufgeschlossen, wenn man begründet warum etwas nicht so gut ist oder warum etwas gelungen ist.
Nur so eine Kritik sucht man vergebens. Die Feedbacks sind völlig undifferenziert und lassen sich selbst bei Nachfragen nicht präzisieren. Die Lieblingsfrage unseres Lehrpersonals ist dann: “Warum machst du das so?” ohne jedoch eine Antwort abzuwarten bekommt man dann zweiterhand ein “das ist ein Scheiß” übergestülpt. Wenn ich nachbohre, was genau” Scheiß” ist, kommen meistens keine weiteren Erläuterungen. Oder mein Wunsch nach Diskussion wird als Aufforderung zur Entwicklung eigener Projekte verstanden. Da fallen dem inspirierten Prof. viele Ideen zu meiner Arbeit ein und am Ende bleibt dann die unausgesprochene Frage, warum machst du es nicht so, wie ich es machen würde?
Naja, weil ich eben mein Ding machen möchte und keine Auftragsarbeit… (resignatives Schulterzucken auf beiden Seiten=> Gedankenblase vom Prof: Nie wieder nehm ich SeniorstudentInnen auf => meine Gedankenblase: ##�??#&%�?êOÃ¥*+#%§&”**)
Also bleibt die Frage, was kann ich vom Lehrpersonal an der Uni lernen?
Keiner hat wirklich nennenswerte Erfolge. Die, die glauben, am meisten zu sagen zu haben, stecken irgendwie noch im Wiener Aktionismus fest (gähn… Ich finde aber weder Blutorgien noch reales Auf-den-Kopf-scheißen innovativ).
Nach vier Semester find ich diese Diskussionen nicht mehr spannend. Ja ich bin gefestigt, ich hol mir das feedback von den Menschen, denen ich vertraue und denen ich glaube. Peter hat für mich keine inhaltliche sondern rein faktische Autorität! Wie ich damit umgehe, wei�? ich noch nicht, aber ich lasse mich nicht gegen meinen Willen irgendwo hin drängen…in keinen Zoo der Welt! Auch wenn ich dadurch ein Kuriosum werden, dass manche am liebsten wegsperren würden..