Archive for June, 2007

Lehrstück

kunst
Jun 27 2007

Semesterabschlusspräsentation. Zuerst kam das große Schweigen, dann wurde kritisiert…

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(mit dieser Feuerinstallation hätte ich fast die Uni abgefackelt… hi,hi)

Hängen blieben zwei Dinge. Eine negative Kritik an meinen modellierten Akten. Im Vergleich zu den frei modellierten Figuren, die ein Thema hatten, die eine bestimmte Idee ausdrücken wollen und die dadurch auch eine Spannung in sich tragen, fehlt es den modellierten Akten an “Konzept” dahinter. Sie wirken tot. Und das stimmt. Meine Motivation dazu ist im Moment minus unendlich… und das sieht man auch.

Positiv fanden die Profs. mein Gefühl für Dynamik und Bewegung, für den Ausdruck von Emotionen. Das ist eine Spur, der ich gerne folgen möchte. Die Frage, die mich daraus folgend beschäftigt, ist, wie geht’s weiter?

Meine Lust zu extremen Dingen ist im Moment recht groß. An meinem Gefühl für Dynamik und Bewegung werde ich weiter arbeiten und die realen Vorlagen mal für eine Zeit verlassen. Ein Projekt habe ich schon im Kopf – nur mein Modell ist mir abhanden gekommen! Irgendwie war das früher einfacher… da hatten die Künstler/Innen Modelle mit denen sie sich auch privat vergnügen konnten. Heute ist einfach alles viel professionalisierter…Kunst ist Business nicht Vergnügen…. seufz…

Sonnwendfeuer in Kaprun

das leben und andere abenteuer
Jun 22 2007

Ich bin zurück von meinem ersten “Freigang” in Kaprun, am Gletscher. Das Klettern am Fels ist anders als das Sportklettern. Es ist eine eigene – fast meditative – Art des Fortkommens in der Vertikalen. Weniger das Auge, mehr der Tastsinn ist gefordert. Die Hände suchen nach Griffen, die halten. Die Art des Kletterns ist langsamer, sinnlicher, abwechslungsreicher. Die umgebende Landschaft aufregend, atemberaubend.

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Kaprun selbst ist ein sehr eigenartiger Fleck Erde. Unheimlich und schön zugleich. Viele Menschen sind dort gestorben, am Beginn des Staudamms steht ein Monument für die verstorbenen KZ-Häftlinge und Arbeiter, die den Damm bauen mussten. “Aus Arbeit und Opfer ein Werk” steht auf dem Monument. Das “Ding” sitzt auf einem alten heidnischen Heilstein und seine Betonspitze zeigt bedrohlich auf den Betrachter herunter. Besser hätte man die Schwere des Orts nicht darstellen können.

Nach dem Denkmal kommt die Staumauer und zwischen den Mauern – wie eine Insel, auf einem Berg – das Naturfreundehaus. Die Ankunft war herzlich und wir versuchten eine kleine Tour zu gehen, doch Blitz und Donner hielten uns ab. Wir hatten 30 cm Neuschnee am Gipfel, 0°C in der Nacht und 30°C zu Mittag. Sonne, Nebel, Regen, Schnee, Wind, Stille, Tag, Nacht.. und ich war nur 1,5 Tage dort. Die (Wetter-)Bedingungen wechseln schnell.

Samstag Nacht entzündeten ein paar Freizeitschamanen ein Sonnwendfeuer und Räucherwerk. Wer die Naturkräfte ohne Auftrag ruft, darf sich nicht wundern, wenn in der Nacht die Geister umgehen… und in Kaprun leben auf engstem Raum viele Geister…

Für jede spirituelle Reise – und Klettern am Naturfels in dieser Gegend hat für mich einen spirituellen Anteil – sollte man sich seine BegleiterInnen gut aussuchen. Evi, Doris und Billie (und Ferdinand, der sich uns kurzfristig anschloss) waren wunderbare, entspannte und Natur liebende GefährtInnen. Wenn ich mein Leben an ein Seil hänge, dann kann ich mir für das lose, zweite Ende nur wünschen, dass es in den Händen solcher Persönlichkeiten liegt.

Fazit: Der Ort ist sicher gut für alle Arten von Transformationen und eine große Unterstützung, wenn man das Wesentliche erkennen will…

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Peter und der Wolf

kunst
Jun 08 2007

Der Wolf verschluckte die Ente. Peter überlistete den Wolf, fing ihn mit einem Seil. Und weil die Ente in seinem Bauch so lustig quakte, brachte er ihn in den Zoo (statt ihn zu töten).

Soweit die Kurzfassung des Märchens von Sergej Prokofjew. Seit zwei Tage denke ich an diese Geschichte. Erst dachte ich, dass es am Namen lag, weil ich wieder einmal eine (fruchtlose) Diskussion mit Peter, unserem Assistenten für Gipstechnik, hatte. Nachdem ich das Märchen zum Auffrischen der Erinnerung wieder gelesen hatte, fielen mir dann doch noch mehr Parallelen auf.

Der Peter aus dem Märchen versucht ein wildes Tier zu fangen und, weil es so anders ist als alle anderen, es in den Zoo zu stecken. Dort, weit weg von seiner natürlichen Umgebung, muss der Wolf quasi als Schauobjekt, als Kuriosum dahin vegetieren. Happyend gibt’s keines.

Die Diskussion mit dem Gips-Peter erinnert daran. Sein Verständnis von Pädagogik lässt sich auf die kurze Formel reduzieren: Es geht darum die Persönlichkeit zu formen. (Nun ich finde ja mehr, dass das Aufgabe der Eltern und des Psychotherapeuten des Vertrauens ist.. aber das ist ja nur meine Meinung ;o) Mit universitärerer Erwachsenenbildung hat das wenig zu tun. Ich dachte ja bis jetzt, dass wir hier sind, um das, was in uns steckt, besser (= technisch und inhaltlich) ausdrücken zu lernen. Aber nein! Die Kunst ist nur das Nebenprodukt.

Tatsächlich geht es offensichtlich darum, dass wir StudentInnen das Material für die gelangweilten Profs und Assis sind, an denen sie Selbsterfahrungsszenarien ausprobieren, bis endlich eine/r weinend und nervenzusammenbrechend da sitzt, dann können es sich unsere “Lehrer” in der Rolle der Retter und Seelentröster richtig gemütlich machen und uns sagen, wie’s und wo’s lang geht. (ohne großen Widerstand und ohne kritisches Hinterfragen dafür in unendlicher Dankbarkeit… wie bequem!) Dann können sie sich endlich wichtig und allmächtig fühlen. Als die Gestalter der neuen Generation KünstlerInnen…

Ich frage mich, wo dieser gottgleiche Allmachtsanspruch her kommt und ob ihnen wohl der Ton zu Kopf gestiegen ist?

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Bled is nur, dass ich mich gegen jede Art des seelischen Missbrauchs wehre wie eine Promenadenmischen aus Pitbull und Jackie Chan. Da hörte ich von Peter, dass meine Persönlichkeit eigentlich für die Kunstuni zu gefestigt sei und sie deshalb so alte StudentInnen wie mich normalerweise nicht aufnehmen… Fairer Weise denke ich über so eine Kritik nach.. Bis zu einem gewissen Grad haben sie recht. Ich übernehme nicht unkritisch ihre Meinungen. Ich hinterfrage, versuche zu verstehen, ich grenze mich aber auch ab. Ich bin sicher disbezüglich ein harter Knochen. Guter Kritik (ist nicht gleich bequeme Kritik) hingegen bin ich sehr aufgeschlossen, wenn man begründet warum etwas nicht so gut ist oder warum etwas gelungen ist.

Nur so eine Kritik sucht man vergebens. Die Feedbacks sind völlig undifferenziert und lassen sich selbst bei Nachfragen nicht präzisieren. Die Lieblingsfrage unseres Lehrpersonals ist dann: “Warum machst du das so?” ohne jedoch eine Antwort abzuwarten bekommt man dann zweiterhand ein “das ist ein Scheiß” übergestülpt. Wenn ich nachbohre, was genau” Scheiß” ist, kommen meistens keine weiteren Erläuterungen. Oder mein Wunsch nach Diskussion wird als Aufforderung zur Entwicklung eigener Projekte verstanden. Da fallen dem inspirierten Prof. viele Ideen zu meiner Arbeit ein und am Ende bleibt dann die unausgesprochene Frage, warum machst du es nicht so, wie ich es machen würde?

Naja, weil ich eben mein Ding machen möchte und keine Auftragsarbeit… (resignatives Schulterzucken auf beiden Seiten=> Gedankenblase vom Prof: Nie wieder nehm ich SeniorstudentInnen auf => meine Gedankenblase: ##�??#&%�?êOÃ¥*+#%§&”**)

Also bleibt die Frage, was kann ich vom Lehrpersonal an der Uni lernen?

Keiner hat wirklich nennenswerte Erfolge. Die, die glauben, am meisten zu sagen zu haben, stecken irgendwie noch im Wiener Aktionismus fest (gähn… Ich finde aber weder Blutorgien noch reales Auf-den-Kopf-scheißen innovativ).

Nach vier Semester find ich diese Diskussionen nicht mehr spannend. Ja ich bin gefestigt, ich hol mir das feedback von den Menschen, denen ich vertraue und denen ich glaube. Peter hat für mich keine inhaltliche sondern rein faktische Autorität! Wie ich damit umgehe, wei�? ich noch nicht, aber ich lasse mich nicht gegen meinen Willen irgendwo hin drängen…in keinen Zoo der Welt! Auch wenn ich dadurch ein Kuriosum werden, dass manche am liebsten wegsperren würden..