Archive for May, 2007

Positionierungen…

das leben und andere abenteuer, kunst
May 31 2007

�¤rger.JPG

Gestern wurde ich Zeugin einer Positionierung. Der Verein, für den ich arbeite, wächst und wird älter und zu diesem Anlass wollte man groß feiern. Vor allem, weil den Oberen ein Coup gelungen ist, der wirklich feierungswürdig war. Eine meiner besten Freundinnen machte das Eventmanagement und plante eine unglaublich sensible und schöne Veranstaltung. KünstlerInnen sollten mit PsychotherapeutInnen gemeinsam Workshops abhalten, in denen die Menschen wieder sinnlich und lustvoll mit sich selbst und mit verschiedenen Ausdrucksmitteln experimentieren lernen können; Das Thema Genuss, Sinnlichkeit, Lebensfreude, das Ziel eine Horizonterweiterung. Das Buffet wurde dem entsprechend von Art-Catering gestaltet.

Schon während der Vorbereitungen hatte ich das Gefühl, das gesamte Leitungsteam ist innerlich vom Konzept abgesprungen. Aus einer edlen Veranstaltung wurde ein mittelmäßiger Heurigenbesuch. Den qualitativ hochwertigen KünstlerInnen: Bob Curtis, Andrea Schrammeck, Martin Krammer – wurden abgesagt dafür trat eine Kellerband auf, in der einer des Leitungsteams Percussion spielte und der Sänger so schlecht war, dass er es selbst in die Leider-Nein-Einspielungen von Starmania nicht geschafft hätte.

Wahre Kunst wurde also durch etwas ersetzt, das ohne jedem Niveau war.

Ich könnte jetzt lange über die innere Zerrissenheit des Vereins reüssieren, dass wir wachsen ohne die nötigen Strukturen und wir krampfhaft am Rockzipfel der Vergangenheit hängen, obwohl diese den Rock schon längst abgestreift hat (und mit ihr auch die Freude an studentischen Sauf-Partys). Darum geht?s mir aber in Wirklichkeit nicht (so sehr).

Ich frag mich grad, welchen Stellenwert Kunst hat in unserer Gesellschaft. Ich meine Malen, ein Heimvideo drehen, Töpfern, Schnitzen, Computergrafiken erstellen, das kann heute, fast jeder? und darüber hinaus?

Wie oft höre ich, wenn ich sage, ich studiere Keramik, dass jemand auch töpfert und erst letztens, an der Volkshochschule einen ganz passablen Aschenbecher gemacht hat?

Es ist schön, wenn Menschen kreativ sind und sich selbst verwirklichen. Kunstschaffen ist aber etwas Anderes. KünstlerIn sein ist ein Beruf, mit Qualitätsstandards, mit Bezahlung, mit Wettbewerben und Konkurrenz, der viel Zeit in Anspruch nimmt, körperlich und geistig extrem fordernd ist und einen schneller in das burn-out führen kann, als die meisten sozialen Berufe. Dazu gibt es kein klares Stellenprofil, ja noch nicht einmal einen Stellenmarkt. KünstlerInnen müssen sich selbst erfinden, ihre Nischen schaffen und schauen, dass sie sich verkaufen können. Sie sind sinnliche Menschen, arbeiten dennoch phasenweise 15-20 Stunden am Stück oder Tage durch, sind Netzwerker und Improvisationstalente.

Das, was gestern bei der Feier über blieb, ist ein Affront gegen alle (anwesenden) KünstlerInnen.

Hurra, Hurra…

kunst
May 22 2007
  1. die Porzellanstücken sind ganz fein aus dem Glasurbrand heraus gekommen
  2. die Tischdeko ist super angekommen
  3. das feedback war toll
  4. ich bin zufrieden
  5. und total müde
  6. und will nie wieder (zumindest bis zum nächsten Mal) erklären müssen, wie meine Objekte funktionieren
  7. Rest siehe Fotos

baenkchen2.jpg

baenkchen.jpg

serviettenring1.jpg

…man bin ich erschöpft……

ned ganz 100%

kunst
May 22 2007

Heute ist ein großer Tag: bei Augarten werden unsere Semesterarbeiten (05/06) zum Thema Tischdekoration präsentiert. Großes Event, Sekt und Erdbeeren, Presse, Rektor und meine Mum kommen, Ansprachen, …

Das Projekt hat eine lange Geschichte und ist von vielen Aufs und noch mehr Abs begleitet, mehr ein Prozess als ein Projekt, an dem wir alle sehr viel gelernt haben.

Die Unterstützung von Augarten war teilweise unglaublich gut �?? vor allem die Gespräche mit den Modellmeistern waren lehrreich – teilweise war die Kommunikation aber ein Chaos und mich beschlich immer wieder das Gefühl, dass Augarten von uns eigentlich etwas Anderes gewollt hatte – wenn wir nur gewusst hätten, was? Irgendwo war die ganze Zeit der Wurm drin.

Nichts desto trotz ist heute die erste Präsentation, damit auch die erste Ausstellung, an der ich teilnehme.

Ich freue mich, auch wenn dieses Ereignis von total viel Chaos umgeben ist! Auch wenn ich mit meiner eigenen Arbeit nicht 100% zufrieden bin. (Obwohl, nach dem Töpfermarkt weiß ich, dass Arbeiten erstens eh nie fertig sind und zweitens immer auch noch ein bisschen besser gemacht hätten werden können.)

Ich hab für mich beschlossen, einfach heute Spaß zu haben und zu lernen.. ich glaub, dass das eh viel ist. Und freue mich, wenn mich Menschen dort besuchen.


Ammersee und die Keramik

kunst
May 21 2007

Das Wochenende war ich kurz entschlossen am Ammersee bei Diessen. Dort fand die Tage DER Töpfermarkt in Deutschland statt. Eine unglaubliche Vielfalt zeigt sich mir. Der Markt selbst ist sehr exklusiv. Nur geladene oder durch eine Jury ausgewählte KeramikerInnen dürfen dort ausstellen. Die Auswahl reichte von Kitsch bis zur hohen Kunst. Ich konnte mit Peter Beard (http://home.clara.net/peterbeard/index2.htm) über seine Glasuren reden, erfuhr warum Löllmanns (http://www.uweloellmann.de ) Raku-Teehäferl â?¬ 950,- pro Stück kosten und lernte viel über Holz- und Salzbrand.

Am Heimweg fragte mich Evi, ob ich von dem, was ich gesehen habe, für meine Arbeit etwas rausziehen kann? Nun ja, auf viele Ebenen war es ein Gewinn, sogar auf der, der Geschirrkeramik – ein Bereich, den ich nur zu gerne vernachlässige.

Anbei noch eine wunderbare Impression von Diessen und Eva Mayers Keramikstand, den ich kurzzeitig mitbetreut habe…

evasstand.jpg
diessen1.jpg

Mind.loops

das leben und andere abenteuer, kunst
May 13 2007

Sculpture is a creation of an artist who desires
to express his thought on a silent material and
to which he entrusts his message so that it would
last through infinity of time” (o.A.)


Ein Künstlerkollege meinte, ich hätte genau verstanden, worum es bei seinem Werk ging…

Dieses Feedback ging mir heute den ganzen Tag durch den Kopf und ich habe lange darüber nach gedacht, was das bedeutet – aus der Sicht der Kunstschaffenden – aus meiner Sicht.

Früher stellte ich Fragen immer so, dass der Befragte ungefähr wusste in welche Richtung ich mit meiner Frage wollte. Eine wirklich dumme Angewohnheit, die ich mir nur schwer abgewöhnen kann. Einer meiner Lehrer (Ortwin Meiss) sagte mir damals, dass ich dadurch viele Möglichkeiten ausschließe und ich mal riskieren sollte, dass mich der andere missversteht – mich quasi den Gedankengängen des anderen anvertraue, eintauche, ganz ohne Kontrolle und Steuerung, und mich überraschen lasse, wo ich (wieder) auftauche.

Jedes Medium stellt ein bestimmtes Set an Symbolen zur Verfügung, eine Art Materialsprache, die von der Rezipientenschaft verstanden wird. Einfach gesagt: die Bösewichte sind hässlich oder zumindest dunkel, bestimmte Farben, Oberflächen, Temperaturen, Töne transportieren bestimmte Stimmungen und Bedeutungen. Es ist die Frage, ob Kunststoff oder Porzellan, Stein oder Papier, Samt oder Polyester, Dur oder Moll, Tag- oder Nachtaufnahme, Tele oder eben nicht, …

Wenn es mir sehr wichtig ist, verstanden zu werden, muss ich mich also eines bekannten Zeichensatzes bedienen?
Umso experimenteller ich werde, desto höher die Wahrscheinlichkeit des Miss- oder – gerade in der Kunst – des Unverständnisses?

Die Frage, an der ich heute gehangen bin, geht mehr ins Persönliche:

Was bedeutet es, wenn ich das Gefühl habe, jemand versteht meine Kunst vollkommen?

Ist das ein seltener Moment des Gleichschwingens, der Seelenverwandtschaft, der gleichen Welle? Oder ist es das Ergebnis – neutral formuliert – einer einfachen, klaren und bekannten Symbolsprache?

Wenn ich mal die neutrale Komfort-Zone verlasse, ist das auch die Frage nach einer Wertung. Um so plakativer, populärer, einfacher die Zeichen, desto höher die Wahrscheinlichkeit des Verständnisses. Ist mir die Botschaft wichtiger als das Werk? Bin ich mehr im Formalen oder im Inhaltlichen zuhause?

Erwin Wurm gab mir das Feedback, dass ich formale Kunst betreibe. Da er mich nicht genommen hat, schließe ich daraus, dass das nicht gut (genug) ist, für seine Klasse. fat questionmark.gif

(Ich hoffe, die Zweideutigkeit kommt zwischen den Zeilen durch.)

Das Material, das Werk ist nur Mittel zum Zweck für die message. Was leidet ist die Sinnlichkeit. Wenn ich darüber nachdenke, wo das herkommt, dann merke ich hier den Einfluss der Uni, den Zwang zum Konzept, zur Aussage, zur Botschaft.

Was ist aber, wenn es mir scheißegal ist, ob mich irgendwer außerhalb meines Kopfes versteht?

L’art pour l’art� So ein Schaas! Natürlich brauche ich wie jeder andere Mensch Feedback, Akzeptanz und Sinngefühl. Also wieder zurück zum Start… Ich glaub, das einzige, das ich heut bei all diesen mind.loops klarer bekommen habe, ist, dass kleine Bemerkungen große Schleifen ziehen können…

Danke Timo ;o)

life in loops

das leben und andere abenteuer, kunst
May 08 2007

logo_LifeinLoops-gif .gif

[life in loops ist ein megacity-remix von Timo Novotny...Genaueres auf seiner Website www.lifeinloops.com]

Ich bin immer noch unter dem Eindruck dieser starken Bilder und schreibe diesen Eintrag jetzt schon zum dritten Mal um auf der Suche nach den richtigen Worten.

Nach dem Film hatte ich das Gefühl ein bisschen aus meiner Welt heraus gefallen zu sein. Als ob es verschiedene Parallel-Realitäten gäbe und zwischen meiner und den anderen Realitätsschichten tektonische Verschiebungen stattgefunden hätten. Mein Kontinent krachte auf einen anderen und zumindest ich blieb erschüttert zurück.

Der Inhalt des Films ist schockierend desillusionierend, beklemmend. Intensive Farben (wie bei Peter Greenaway), musikvideoartige Schnitte, Musik von den sofa surfers,.. das alles trägt dazu bei, dass man beim Betrachten lange glaubt, es ist Spiel/Unterhaltung. Harmlos daher kommende Bilder kriechen einem unter die Haut und verdichten sich zu etwas, das eigentlich sehr ernst und bedrohlich ist. Wenn man es merkt, ist es zum wegschauen zu spät…


Bemerkenswert auch, dass es selbst ganz unten immer noch Hoffnung, Träume, Pläne gibt, die so dünn und fragil sind und gleichzeitig so existentiell, so selbstverständlich. Manchmal denke ich, das was uns durch alle Religionen, Weltanschauungen und Nationalitäten verbindet, sind die selben Fragen ans Leben. Nur die Antworten, die wir finden unterscheiden uns. “Was esse ich heute? Wie kann ich meinen Kindern eine Zukunft bieten? Wo schlafe ich heute Nacht?” Die Antwort mag für den Inder, der auf der Müllhalde lebt anders ausfallen als für den Generaldirektor in einem NY Hochhaus.


Und dennoch selbst im größten Elend sind Menschen kreativ, sie sind wahre Anpassungswunder, können in Kloaken und auf Müllhalden Geld finden oder zumindest etwas, das zu Geld zu machen ist. Sie leben nicht nur Schattenleben, sondern leben von unseren Schatten, der Geilheit, der Gier, der Verschwendungssucht derer, die die Gewinner des Systems sind. Der Junky bringt es auf den Punkt: “All I want is your money!”. Er hat keine Achtung mehr vor diesem System, diesem Leben, den Menschen, vor sich selbst. Er verkauft sexuelle Phantasien, die besser als die Realität sind, aber nie real werden.