Gestern schien die Sonne und da packte mich nach der Arbeit so ein unglaubliches Flakturmgefühl. So wie letzten Sommer, als ich meine ersten Schritte im Klettern machte und nach der Arbeit über den 6. Bezirk nach Hause gefahren bin, mich mit Doris am Turm getroffen habe und wir bis es dunkel wurde gebouldert und geklettert sind.
Ich radelte also die Schottenfeldgasse hoch, querte die Mariahilferstraße und fuhr die Schadekgasse runter. Da war er, “mein” Flakturm. Und mit Freude stellte ich fest, dass gerade die neuen Routen geschraubt werden (Montag ist Eröffnung, juhu!!!) . Es gibt einen tollen neuen Überhang und mitten zwischen den bunten Griffen hing Peter.
Mit ihm tratschte ich dann eine Zeit lang und – eh klar – wusste er schon Bescheid über mein neues Projekt. Dass ich einen Kurs für den ÖGV halte. Ich versuchte dann zu erklären, dass ich keinen Kurs halte, sondern lediglich begleite, als Psychologin. Schallendes Gelächter von der Wand. Mit Recht?
Nun, als ich anfing zu Klettern, hatte ich bei 2m Höhe schon Knieschlottern und Schweißausbrüche. Ich hatte schreckliche Höhenangst und dennoch bin ich jeden Tag hin, zu “meinem Turm”, und jeden Tag ging’s ein Stückerl weiter rauf. Mein damaliges Saisonziel war den Flakturm ganz hinauf zu kommen. Nach drei Monaten hatte ich es erreicht, früher als gehofft. Ich habe also dazu gelernt.
Für das Sturztrainingseminar überlege ich mir also die ganze Zeit, was ich antworten werden, wenn mich jemand fragt, ob mir Stürzen nichts ausmacht.
Die Wahrheit ist: Ich werde nie wie eine Kilian Fischhuber locker und entspannt aus einer 8c fallen (schon allein, weil die Wahrscheinlichkeit, dass ich jemals in einer 8c weiter als bis zum Zustieg komme, sehr gering ist). So weit so gut.
Also, was sage ich, um meine Glaubwürdigkeit als Psychologin nicht zu verlieren und wenn ich bei der Wahrheit bleiben möchte?
Auf einer höheren Ebene hat die Frage einen inhaltlichen Fehler. Es ist eine Frage nach einem statischen Zustand und einem Vergleich (mit was oder wem eigentlich?). Sie vernachlässigt den Prozess, die Entwicklung meiner Fähigkeiten.
Ein sehr guter Freund sagte mal zu mir, dass er als er mit dem Klettern begann, glaubte, wenn ihm jemand genau die Griffe und Tritte zeigte, dann würde er jede Route hinauf kommen. Dass das nicht stimmt, hat er schnell heraus gefunden. Klettern ist eine Entwicklung an Technik, Kraft und mentaler Stärke. Man beginnt klein und steigert sich.
Ich hab klein angefangen, mit großer Angst und null Kondition/Kraft. Es hat sich seit dem viel geändert. Angstfrei bin ich nicht. Das wäre auch nicht sinnvoll, denn es macht unvorsichtig. Aber gemessen an MEINEM Ausgangspunkt, dem Angstniveau vor 10 Monaten, bin ich die Ruhe in Person. Die Techniken, die ich unterrichten werden, nütze ich für mich und sie wirken.
Für das Seminar kann ich also mit tiefster Überzeugung versprechen, dass wir uns auf den Weg machen werden. Geschwindigkeit und Erfolg wird dann jeder einzelne über sein Training, seinen Ehrgeiz, seinen Willen und seine Motivation bestimmten….